Der Historikerin und Publizistin Erika Rosenberg gelang es 1990 Emilie Schindler in Argentinien ausfindig zu machen. Die intensiven Gespräche führten zu einer engen Freundschaft mit ihr und Rosenberg konnte ihre gut recherchierten Biografien anfertigen.
Mittwoch, 25. Dezember 2019
Mittwoch, 18. Dezember 2019
Ausgezeichneter Pressebericht im ONETZ. Excelente nota de prensa
Schulunterricht gegen das Vergessen
von Anton (Rufn. Toni) WildProfil
"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" darf sich die LUS-Schule nennen. Oskar Schindler und seine Frau haben gemeinsam während des Zweiten Weltkriegs etwa 1200 Juden und weitere fast 300 polnische und tschechische Zwangsarbeiter unter Einsatz ihres Lebens und ihres Vermögens vor Verfolgung und Ermordung gerettet. Einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland und der Welt wurden Oskar und Emilie Schindler erst durch den mehrfach ausgezeichneten Film "Schindlers Liste" von Steven Spielberg aus dem Jahr 1993 bekannt. Zur besseren Veranschaulichung des Unterrichtsthemas "Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg" wurde den Schülern dieser Film am Vortag auch noch einmal vorgeführt.
Pressebericht vom 12.12.19. Artículo de prensa en renombrado periódico alemán.
Wenn Geschichte Lebendig wird - Erika Rosenberg im Dr. Sulzberger Gymnasium
Für die Schüler des Dr. Sulzberger Gymnasiums wurde Geschichte lebendig. Im Rahmen eines Projekttages mit der renommierten Historikerin und Schriftstellerin Erika Rosenberg hatten die Jugendlichen die Chance, sich besonders intensiv mit einigen bemerkenswerten Helden des Holocausts zu beschäftigen, welche die Relevanz des Themas verdeutlichten.
Erika Rosenberg selbst wuchs in Buenos Aires als Tochter deutscher Juden auf, welche noch vor dem Holocaust im Jahre 1936 fliehen konnten. Seit frühster Kindheit beschäftigte sie sich deshalb intensiv mit der Schoah, der Massenvernichtung der in Deutschland lebenden Juden zur Zeit des Nationalsozialismus. So verfasste sie durch eingehende Recherchen, wie ausführliche Gespräche mit Emilie Schindler, Biografien über sie und ihren berühmten Mann Oscar Schindler. Hierbei versuchte sie hinter die Kulissen zu blicken, ohne das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. So ließ die Autorin weder private Aspekte außer Acht, noch inhaltliche Oberflächlichkeiten zu. Der Autorin gelang es, ein sowohl detailliertes als auch umfassend realistisches Bild zu skizieren. Schindler selbst sei auch kein „Mann mit weißer Jacke“.
Die Autorin wirkt trotz ihres Alters, in dem andere ihre wohlverdiente Pension genießen, sehr lebhaft und fortlaufend wissbegierig. Sie beschrieb ihre Biografie als ständige Reise, da sie schon zahlreichen Orten dieser Welt ihre Aufmerksamkeit schenkte. Familie Rosenberg bereiste fast ganz Europa und Südamerika für die Recherchen, aber auch andere Teile der Erde dienten als Anlaufstelle. Entsprechend spricht sie eine Vielzahl von Sprachen und arbeitete daher selbst einmal als Dolmetscherin. Jene Fähigkeiten erleichtern ihr natürlich den Kontakt mit Einheimischen und damit die Nachforschungen innerhalb verschiedenen Regionen.
„Wie ein großes Puzzle sind die historische Ereignisse aus sehr vielen verschieden Teilen zusammengesetzt und man muss versuchen, diese zu verbinden.“ – so die Autorin. Um Zusammenhänge herstellen zu können, sind diverse Quellen nötig. Diese liegen unter Umständen auf der anderen Seite der Welt, weshalb die Arbeit teilweise sehr frustrieren kann, gerade dann, wenn kein Vorankommen in Aussicht steht. Trotzdem sei es wichtig, nie aufzugeben um an das gewünschte Ziel zu kommen. So berichtete Erika Rosenberg von ihrer langwierigen Arbeit am nächsten Buch (über den Diplomaten Gilberto Bosques. Der Mexikaner gewährte zahlreichen europäischen Flüchtlingen während des zweiten Weltkrieges Asyl in seiner Heimat und nahm dafür auch einige Risiken in Kauf.)
Die 68 Jährige stellte bereits am Vorabend die weltweit größte Ausstellung ihrer Art vor: „Unbesungene Helden“ – welche von ihr selbst und mithilfe einiger Schüler erstellt und ergänzt wurde und welche das Bundes- und Landesprogramm „Demokratie leben!“ förderte, im Landratsamt der Kurstadt interessierten Besuchern vor. Am folgenden Tag widmete sie sich voll den Schülern der zehnten Klassen des Gymnasiums. Im Mittelpunkt ihres Vortrages standen der Schweizer Diplomat Carl Robert Lutz, der in Zusammenarbeit mit Widerstandskämpfern viele tausende ungarische Juden retten konnte und Oskar Schindler, welcher gemeinsam mit seiner Frau Emilie ca. 1200 bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter vor dem sicheren Tod bewahren. Letztgenannter Unternehmer war als Doppelagent tätig, nur so war ihm die Befreiung dieser Menschen möglich. Die Jugendlichen verfolgten die Erzählungen gebannt. Emotionen von Entsetzen über die Gräueltaten des Krieges bis hin zu Verwunderung und Ehrfurcht vor den Helden in der Luft lagen in der Luft.
Darauf folgte die Bearbeitung zwei weiterer Themen durch einige Schülerinnen der elften Klasse. Zum einen brachte man Licht in das Wirken Oskar Schindlers während seines Türkeiaufenthalts, zum anderen erforschte man eine mysteriöse Frau, welche stets in seinem Schatten stand. Laut den Recherchen begab sich Oskar Schindler zeitweise auf das kriegsneutrale Land der türkischen Republik, welches damals den Dreh- und Angelpunkt für Spione und deren Informationsaustausch. So gelang er an Informationen über die deutsche Botschaft und an Rettungspläne für die Juden in Deutschland. Ferner belief sich der nächste Schwerpunkt auf eine ominöse Frau mit dem Namen Brunhilde Albrecht. Diese, als unglaublich schön und durchtrieben beschriebene Frau, unlängst Affäre Schindlers, ermöglichte ihm erst das Agentendasein, da sie ihn mit ihrem Chef bekannt machte. Des Weiteren rettete sie 300 Frauen buchstäblich in letzter Sekunde aus einer Gaskammer des Vernichtungslagers Ausschwitz, indem sie den leitenden Befehlshaber um den Finger wickelte. Erika Rosenberg erhielt Informationen über den späteren Verlauf ihres Lebens, indem es ihr gelang aus der Kriegsgefangenschafft der Sowjets und Amerikaner zu fliehen. Die Autorin nahm mit ihren verbleibenden Angehörigen Kontakt auf und steht im regen Austausch mit Luis Adelberto Berlanga Albrecht, dem mexikanischen Neffen Hildes. Jener berichtete über ihre Zeit nach dem Krieg, ihre Flucht und ihr neues Leben. Hilde verhalf beispielsweise einer indigenen Familie in ihrem späteren Wohnort Mexiko zu sicheren Arbeitsplätzen und deren Tochter zu einem Universitätsstudium. Luis Albrecht, selbst Professor für Wirtschaftswissenschaft, wusste vor Erika Rosenberg nichts von der Geschichte seiner Tante, da sie es gewohnt war, zu diesem Thema zu schweigen.(Einzig und allein die Besuche ihrer Familie aus Ohio fanden stets auf mexikanischer Seite der Grenze statt, da sie bei den US-Behörden noch immer als Agentin des dritten Reiches geführt wurde und dementsprechend nie wieder US-Amerikanischen Boden betreten durfte.)
Per Videoanruf hatten die Elftklässlerinnen die Möglichkeit, mit Hildes Neffen Luis Albrecht zu sprechen. Die Unterhaltung erfolgte auf Englisch, was es aber nur noch authentisierte. Von Mexiko aus, dort noch im Morgengrauen, bedankte sich der Professor für das Interesse der Jugendlichen, betonte die Relevanz des Themas und riet den Teilnehmern, die Geschichte und Natur des Menschen zu verstehen, um für die Zukunft zu lernen. Er ging hierbei auf Fragen seitens der Gymnasiasten ein, etwa beschrieb er Hildes liebevolles Auftreten der Familie gegenüber und verwies erneut auf die Bedeutsamkeit der Aufarbeitung und Wertung der Historie, um eigene Schlüsse zu ziehen.
Die Jugendlichen begeisterten sich für diesen lebendigen Geschichtsunterricht, der eine willkommene Abwechslung zum reinen Frontaltutorium darstellt. Besonders die Zeitzeugengespräche, die Möglichkeit Fragen an Erika Rosenberg zu stellen, welche dankend angenommen wurden und natürlich in besonderem Maße das Gespräch mit Professor Albrecht wirkten sich äußerst motivierend aus. (Diese Erfahrung konnte bei den meisten noch einmal die Relevanz des Themas, somit das Verständnis für die Bedeutsamkeit geschichtlicher Hintergründe und die Eigenverantwortung für eine angemessene Gedenkkultur verdeutlichen.)
Mithilfe des 1. TSV Bad Salzungen und des Dr. Sulzberger Gymnasiums ist es möglich, diese Zusammenarbeit, welche schon 16 Jahre besteht und hoffentlich noch etliche weitere bestehen soll, immer wieder zu ermöglichen. (In Kooperation begleitete die Schriftstellerin gemeinsam mit ihrem Mann Jose Rosenberg, dessen Familie größtenteils Opfer des Holocaust wurde, auch schon Projektfahrten nach Ungarn (Budapest und Mezököved) und Polen (Krakau) sowie das internationale Workcamp in Bad Salzungen, welches regelmäßig alle zwei Jahre stattfindet.)
Die vielgereiste Frau wirkt trotz dem Stress und ihren hohen Forderungen an sich selbst offen und zugänglich, keinesfalls von oben herab sondern völlig in ihrem Element - Wissen zu vermitteln, habe Sie sich trotz ständiger Kontinentalwechsel für ihre Projekte mittlerweile an den Jetlag gewöhnt, der durch die Zeitverschiebung und enormen Flugdauern zustande kommen kann. Und plötzlich wirkt die scharfsinnige Professorin überaus nahbar, wenn sie spürt, wie in der Pause die Aufmerksamkeit der Anwesenden zu dem Hund vor der Aulatür wandert und sie mit strahlenden Augen von ihrem Zwergpudels Madame Daphne erzählt, der bei der Familie in Argentinien auf ihre Ankunft wartet. Wenn die Jugendlichen ihre Simson Mopeds auf dem Schulhof anwerfen und die Reifen durchdrehen lassen, wird ein liebevolles Lächeln auf Frau Rosenbergs Lippen sichtbar. Sie spricht über ihre eigene Jugend in Argentinien, den Unterschieden zu der jetzigen sowie über ihr Verständnis für eben diese, Spaß zu haben und ihre Zeit zu nutzen.
Tina Schmidt
Samstag, 14. Dezember 2019
Freitag, 13. Dezember 2019
Liebe Weihnachtswünsche von Kosmos Verlag. Saludos navidenios de la editorial Kosmos
| Liebe Frau Rosenberg, |
| das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es waren spannende, intensive und ereignisreiche Monate. Wir haben wieder viele fabelhafte Spiele entwickelt und wunderbare Bücher veröffentlicht. Mehr noch: Gemeinsam mit Ihnen haben wir Menschen begeistert und wertvolle Momente geschenkt! Dafür möchten wir Danke sagen: Danke für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und Danke, dass Sie uns mit Ihren Ideen und Ihrem Engagement unterstützen. Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr! Auch in diesem Jahr verzichten wir auf postalische Karten und spenden stattdessen an eine soziale Einrichtung. Mit unserer Spende unterstützen wir die häusliche Kinderkrankenpflege Stuttgart. Weitere Informationen zur Einrichtung finden Sie hie |
Donnerstag, 12. Dezember 2019
Workshop "Schindlers Liste an der Goethe Schule".Workshop "La Lista de Schindler" en la escuelaGoetheBuenos Aires
Erika Rosenberg, die Biographin von Oskar und Emilie Schindler, spricht vor den Abschlussklassen der Goethe Schule über „besungene“ und „unbesungene Helden“ aus der Zeit der nationalsozialistischen Barbarei.
(Von Frank Forster)
Ein elegant gekleideter Mann, hoch zu Roß, das Parteiabzeichen deutlich sichtbar am Revers, das Gesicht wie festgefroren, Maschinengewehrsalven, Schreie, die Kamera schwenkt in eine dicht bevölkerte Straße, wo Menschen wie Vieh zusammengetrieben werden; Koffer, Wertsachen und Einrichtungsgegenstände fliegen aus Fenstern und von Balkonen auf den Asphalt, Wehrmachtssoldaten nehmen wahllos Erschießungen vor und über alledem – welch ein Kontrast! – beschwört ein jiddisch singender Kinderchor eine vergangene, heile Welt: „Ein Feuer brennt auf dem Herd und es ist warm in dem kleinen Haus“. Ein Farbfleck inmitten des schwarz-weiß gedrehten Schreckens: Man erkennt ein kleines Mädchen in rotem Mantel, das unbeachtet umherirrt. Die Kamera ist wieder bei dem Mann auf dem Pferd, seine entsetzten Augen folgen dem Mädchen. Es wird doch überleben! Spielbergs mit 7 Oskars prämiertes Meisterwerk verweigert seiner Hauptfigur den Gefallen. Allein bei der Räumung des jüdischen Ghettos von Krakau werden 2000 Juden auf bestialische Weise ermordet. Das Mädchen – so will es die Dramaturgie – ist ebenfalls darunter. In einer der nächsten Einstellungen wird Oskar Schindler es wiedersehen, leblos und verschmutzt auf einem Holzkarren, den man mühsam durch den Matsch zieht.
Jedem Zuschauer des Streifens sind diese Szenen im Gedächtnis eingebrannt, mit denen die Wandlung des Unternehmers und NSDAP-Mitglieds Schindler plausibel gemacht wird. War er zuvor mit der Absicht nach Krakau gekommen, möglichst schnell reich zu werden, so verwandelt er sich jetzt in einen Retter und Helden, der ebenso geschickt wie aufopferungsvoll darum kämpft, 1200 jüdische Zwangsarbeiter vor dem sicheren Tod zu bewahren. In einem zwanzig Jahre nach Kriegsende in Deutschland aufgezeichneten Interview erklärt er lapidar: „Ein denkender Mensch, der mit dem inneren Schweinehund siegreich fertig wurde, musste einfach helfen; es gab keine andere Möglichkeit.“
Die Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin und Biographin Erika Rosenberg – 2015 erscheint ihre erfolgreiche Biographie „Als ich mit dem Papst U-Bahn fuhr“ auf Deutsch – hält an diesem Montagvormittag in der Aula der Goethe Schule einen Powerpoint-Vortrag über die Hintergründe des Films und führt anschließend mit den Schülern des 12. Jahrgangs einen Workshop durch. Ihre langjährige journalistische Auseinandersetzung mit dem Thema hat mittlerweile zu einer ganzen Reihe von Buchveröffentlichungen geführt, darunter: „In Schinders Schatten. Emilie Schindler erzählt ihre Geschichte“ (1997) und „Oskar Schindler: Seine unbekannten Helfer und Gegner“ (2012). Allerdings hegt sie einen entscheidenden Vorbehalt gegenüber dem Hollywood-Streifen:
Was Spielbergs Hauptfigur angeht, ist Erika Rosenbergs Einschätzung eindeutig: Ein „Halunke, Hasardeur, Bonvivant und Frauenheld“, der zwei uneheliche Kinder zeugte, es leidenschaftlich genoss im Mittelpunkt zu stehen, mit großer Leichtigkeit die Sympathien seiner Umgebung errang, ausgiebig dem Luxus frönte, sein Geld mit vollen Händen ausgab und im Geschäftlichen umsichtig wie scharfsinnig agierte, so dass keines seiner kostspieligen Geschenke und Bestechungen ihn selbst je in die Bredouille brachten. Wer sonst, wenn nicht ein gerissener Menschenfänger wie er hätte es fertig gebracht, den verrohten Lagerkommandanten Amon Göth – „Ich bin Göth, ich bin Gott!“ – derart für sich einzunehmen, dass er ihm nicht nur seine Sekretärin Ruth Irene Kalder unterjubeln konnte, sondern auch die Erlaubnis abtrotzte, die 1200 jüdischen Zwangsarbeiter seiner Emailwarenfabrik im eigenen Lager in der Lipowastraße in Sicherheit zu bringen.
Nach dem Krieg verlässt den Unternehmer das Glück. Das „Abenteuer“ Argentinien, 1949 mit seiner Frau Emilie begonnen, bricht er 1957 ab, um in Deutschland einen „Lastenausgleich“ für seine verlorengegangenen Firmen zu beantragen. Die 47 000 DM, die ihm statt der geforderten zwei Millionen ausgezahlt werden, sind schnell wieder ausgegeben. Wenig nützt ihm auch, dass sich Fritz Lang begeistert vom selbst verfassten Drehbuch über seine Erlebnisse in Polen zeigt – noch ist die Zeit nicht reif für einen positiven deutschen Helden. Erika Rosenberg entdeckt das Drehbuch vor knapp zwei Jahren in der Vanderbilt Universität, Nashville und stellt es an diesem Vormittag unseren Schülern zusammen mit einem umfangreichen Materialband, darunter natürlich auch die berühmte Liste, zur Verfügung. Schindler jedenfalls kommt nicht mehr auf die Beine, was immer er auch anstellt und bleibt bis zu seinem Tod, am 9. Oktober 1974 in Hildesheim, auf die finanzielle Hilfe seiner „Schindlerjuden“ angewiesen.
Als Erika Rosenberg 1990 das Haus von Emilie Schindler in San Vincente zu Recherchezwecken betritt, verwandelt sich, wie sie betont, für immer ihr Leben. Ohne zu zögern nimmt sie sich der gebrechlichen alten Dame an und das „bescheidene Wohnzimmer mit den kahlen Wänden und den alten Möbeln“ wird in den folgenden elf Jahren ihrer Freundschaft zu ihrem „Zuhause“; zum „ruhigen Ufer“, von dem sie „lange und rastlose Jahre“ geträumt hat. Von nun an betrachtet sie es als ihre Aufgabe, die Frau neben Oskar Schindler dem Vergessen zu entreißen.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland sieht Emilie Schindler ihren Mann nie wieder und selbst von seinem Tode erfährt sie eher durch Zufall; ein Bekannter macht sie auf seine Todesanzeige in „La Nación“ aufmerksam. Die „Bekanntschaft mit Oskar verdanke ich der Elektrizität“, sagt sie ihrer Biographin, darauf anspielend dass ihr späterer Ehemann ihrem Vater, einem wohlhabenden Bauern aus Alt Moletein, im heutigen Tschechien, einst einen Elektromotor andrehte. Oskar Schindler ist die Liebe ihres Lebens, dies und ihre streng katholische Erziehung hätten es ihr nie erlaubt, sich von ihm scheiden zu lassen.
In seinem vielgepriesenen Opus magnum besingt Spielberg die Heldentaten Oskar Schindlers und übersieht dabei sträflich die Frau an seiner Seite. Als er sie zusammen mit den „Schindlerjuden“ für die letzte Szene seines Filmes nach Jerusalem einlädt, hält er sie gar für eine der Geretteten, während sie in Wirklichkeit eine entscheidende Rolle bei der Rettung spielte. Nicht nur, dass sie die ganze Zeit über in Krakau ist – als Schindler im Januar 1945 verreist, ist sie es, die 120 halbverhungerte Juden, die fast drei Wochen ohne Lebensmittel in einem Güterwaggon auf ihren Abtransport ins KZ gewartet haben, in der Fabrik aufnimmt und in einem eigens aufgebauten Lazarett gesundpflegt.
„Es ist eine große Ehre für mich, von der „Goethe Schule“ eingeladen worden zu sein“, erklärt Erika Rosenberg zum Abschluss der Veranstaltung und zeigt auf ihre goldene Ehrenmedaille mit dem grün gerahmten G der Schule, die sie an einer Kette um den Hals trägt, „immerhin habe ich hier von 1980-2001 als Lehrerin an der Humboldt-Akademie gewirkt und hier hat auch mein Sohn 1991 sein Abitur gemacht.“ Zum ersten Mal an diesem Montagvormittag müssen wir Frau Rosenberg korrigieren: Nicht sie, sondern wir haben allen Grund uns geehrt zu fühlen.

Samstag, 7. Dezember 2019
Guten Morgen Buenos Aires! Buenos dias Buenos Aires!.Come back to Buenos Aires!
Man sagt, dass die letzten Stunden kurz vor dem Rückflug sind, die die am schnellsten vergehen. Wir hatten die Absicht von Dortmund nach München am frühen Nachmittag schon zurückzufahren und dementsprechend nahmen wir den Zug um 9.48 Uhr. ICE, direkt nach München aber leider ohne Halt in Pasing! Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Warum, ganz einfach, der ICE hatte wegen Betriebsstörung, Baustellen und, und Verspätung.
Halb so schlimm, denn ich habe an einem Kapitel meines neuen Werkes intensiv gearbeitet. Jedenfalls schien mir die Strecke diesmal zu lang. Und glaubt mir, wir sind an langen Fahrten und Flüge gewöhnt.
Endlich erreichte der ICE das so sehr gewünschte Ziel: München. Am Hauptbahnhof war ein Trieb von vielen Menschen in allen Richtungen schleppend Koffer, Taschen, Rucksäcke. . . Wo wollten alle hin? Tja, selbstverständlich Dezember, drei Wochen vor Weihnachten.
Nachdem wir etwas am Bahnhof und dann in Pasing erledigt hatten, gingen wir zur Haltestelle Linie 162. Plötzlich merkte ich, aus dem hellen, sonnigen Tag mit blauen Himmel wurde dunkler und dunkler. Der Tag und seiner glänzende Helligkeit war vorbei. Praktisch noch ein Tag hinter uns. Und wo hatten wir unseren letzten Tag verbracht? Im Zug.
Zum letzten Mal in diesem Jahr 2019 würden wir den Bus nach Lochhausen nehmen, würden wir von der Endstation Eichelhäher Straße mit dem Koffer die 400 Meter laufen, würden wir den Schlüßel ins Schloß stecken und die Tür aufsperren. In der Wohnung wieder die angenehme Wärme im Gegensatz zu der Straße. Es ist kalt, sehr kalt, dachte ich. Zeit wieder in die Wärme, in den südamerikanischen Sommer zurückzufahren. Der europäische Winter und wir sind überhaupt nicht kompatibel.
Ich grübelte ein bisschen, nicht weil ich wegen des Abfluges aufgeregt war,sondern mein Hauptgedanke war die drei großen Koffer und die zwei Trollis aus - um-einpacken. Wie würde ich alles so verteilen. Die vielen Bücher, die ich immer habe, die schönen Geschenke? So viel Zeit um bei solchen Überlegungen zu verfallen, hatte ich wirklich nicht. Aber am nächsten Morgen kurz vor 9.30 Uhr war alles fertig. Das hatten wir wieder geschafft. Um 12 würden wir zum Flughafen fahren. Unser Freund Martin war pünktlich um 12 mit seinem Wagen vor der Tür. Herzlichen Dank, lieber Martin für die großen Mühen!
Am Donnerstag hatten wir noch in letzter Minute geschafft uns von der lieben Helga Abschied zu nehmen, auch von Beppito, ihr wunderschöner Hund. Ja, aber es war tatsächlich in der letzten Minuten.
Am Donnerstag am Flughafen, kam schon die erste aufregende Meldung, die LH Maschine von Frankfurt konnte wegen schlechten Wetters (starker Bodennebel und Frost) nicht nach München abfliegen. "Wir bitten verehrte Fluggäste für die Verspätung um Entschuldigung. Falls Sie Anschlussflüge haben, kommen Sie bitte an Schalter. . ." Und wir hatten einen Anschlussflug nach Buenos Aires, aber erst um 22.15 Uhr. Ich schaute auf meine Uhr, 14.45 Uhr. Am Schalter wurde mir vergewissert, bis dahin, alles problemlos. Wer kann so etwas im voraus vergewissern? Aber der Mann war sehr nett und ja, es ist sein Job, Menschen, Passagiere zu beruhigen.
Die Maschine kam nun endlich aus Frankfurt an. Inzwischen wurde wieder dunkel. Wir stiegen um 17.30 Uhr an und kurz danach starteten, Richtung unser letztes Ziel in Deutschland: Frankfurt am Main.
In Frankfurt wollte ich mir Tax free Belege von dem Zoll abstempel lassen, wie wir immer wieder seit mehr als 25 Jahren machen. Gleiche Halle, gleicher Platz, fast gleiche Uhrzeit. . . wie immer. . . aber nicht wirklich, denn diesmal hatte ich mit zwei willkürliche Polizisten zu tun. Ein älterer Mann und eine jüngere Frau, die mich abwimmelten. Ich sollte auf ein anderes Gebäude gehen. Sie seien nicht zuständig, denn ab Juni gäbe es neue Vorschriften. Ich erwiderte sofort, wie konnte es sein, denn zuletzt waren wir im Juli dort und ihre Kollegen haben alles erledigt. Sie weigerten sich, ich versuchte mich mit meinen Argumenten durchzusetzen, aber nichts half. Ich sah nicht nur Willkür in ihren Augen, sondern auch eine Art psychopatischen Genuss. Sie wollten einfach Macht ausüben. Ja, meine Herrschaften, ich meine Sie beide, die den Dienst absolviert haben am letzten Donnerstag um 19 Uhr am Flughafen Frankfurt am Main. . . Die Belege musste ich einfach entsorgen, weil um auf das andere Gebäude, zu Terminal C hätte ich nicht mehr zeitlich geschafft. Vor uns standen noch die Kontrolle.
Die Geschichte wäre hier zu Ende gewesen, wenn die Franzosen am Donnerstag nicht einen Generalstreik geführt hätten.
Die Pünktlichkeit der LH ist ja weltbekannt und so pünktlich bestiegen wir auch die Maschine. Prompt kam eine Durchsage vom Flugkapitän: . . .der französische Luftraum sei wegen des Streiks geschlossen, also neue Route über Großbritannien. Also eine Stunde Verspätung der Maschine bei Ankunft am schon sowieso chaotischen Flughafen in Buenos Aires. . .
Buenos Aires, endlich. Nach einem sehr guten Flug landete der Flieger auf argentinischen Boden. . . zusammen mit anderen Flieger verschiedener Fluggesellschaften. Über 1000 Menschen bei den Passkontrollen überförderten die lahmen Beamten. es war ein Chaos ohne Ende. Die Passagiere klatschten und klatschten, damit die Beamten mehr Dampf. . . oh je. .. Dann auf Band die vielen, vielen Koffer. Man sah Koffer, Koffer und Koffer, die aus der Band heraus fielen, weil niemand sie abholte. Klar, die Passagiere waren noch bei der Passkontrolle. Ein kurzes Abenteuer. Man sagt, wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen. An alle Freunden einen schönen Samstag und bis auf bald wieder.
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