Mittwoch, 25. September 2024
Dienstag, 24. September 2024
AUGSBURGER ZEITUNG
Ichenhausen: Von Hürben nach Buenos Aires: Aus ihren Gedichten spricht das Heimweh
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Das Heimweh spricht aus jedem Vers, den Franziska Lachmann am anderen Ende der Welt auf Papier niederschrieb. Es war eine erzwungene Emigration, wie deren so unendlich viele in den Jahren des Nationalsozialismus zu verzeichnen sind. Und es war ebenfalls in keiner Weise eine Sternstunde der Humanität, die Argentinien, ausgerechnet jenes, mit dem Hitlerregime sympathisierende Land, zur letzten Hoffnung für die Geflohenen werden ließ. Erika Rosenberg-Band ist eine ebenso dynamische wie liebenswürdige Frau. Das liege an ihrem südamerikanischen Temperament, so die Wissenschaftlerin und Buchautorin, die als Referentin in der Synagoge Ichenhausen über die 1874 in Hürben (heute Krumbach) geborene Franziska Lachmann berichtete.
Rosenberg-Band, die regelmäßig zwischen Argentinien und Deutschland pendelt, hatte bereits mehrere Biografien, unter anderem über Emilie Schindler, der Gattin Oskar Schindlers, Che Guevara und Papst Franziskus verfasst, als sie durch einen befreundeten Studiendirektor von der Forschungsarbeit einer deutschen Schülerin hörte. Darin untersuchte Anna Schorer aus Fürstenfeldbruck die Lebens- und Emigrationsgeschichte der jüngeren Schwester der bekannten, jedoch bereits im Jahr 1918 verstorbenen Schriftstellerin Hedwig Lachmann.
Entstammend einer konservativ-religiösen Familie – der Vater war Kantor in der israelitischen Gemeinde Hürben – entfloh Franziska diesem Milieu, indem sie sich zunächst in Berlin, zwischendurch in Mailand und dann wiederum in der Reichshauptstadt niederließ, wo sie ein freigeistiges, internationales Umfeld kennenlernte. Hier erfolgte auch die Heirat mit dem konfessionslosen Sozialreformer Adolf Otto und die Geburt ihrer beiden Töchter. Eine anfängliche Sympathie der Erzieherin Franziska Lachmann mit der Pädagogik der Maria Montessori erstarb, als sich diese zunehmend in rassistische Theorien verirrte. Aber auch über Deutschland zogen sich die giftigen Wolken einer mörderischen Ideologie zusammen.
Sonntag, 22. September 2024
IGS an den Rheinauen Oppenheim
Erika Rosenberg-Band zu Besuch an der IGS An den Rheinauen
Erika Rosenberg-Band war am 05.09.2024 zu Besuch an unserer Schule und hatte eine wichtige Botschaft im Gepäck:
Das Allerwichtigste ist einfach Mensch zu sein.
Erika Rosenberg-Band hat die Schülerinnen und Schüler der MSS12 und 13 an einer Geschichtsstunde der besonderen Art teilhaben lassen. Sie ist die Nachlassverwalterin und Biografin von Emilie und Oskar Schindler und versetzte die Schüler in eine Zeit, in der Zivilcourage nicht selbstverständlich war. Sie erzählte von ihrem Zusammentreffen und der daraus folgenden Freundschaft mit der Witwe von Oskar Schindler, der während des Zweiten Weltkrieges mit Zivilcourage, Mut und Tapferkeit das Leben von 1300 Juden und anderen Zwangsarbeitern vor dem sicheren Tod rettete. Was den Schülerinnen und Schülern nach dem Vortrag in Erinnerung blieb, waren unter anderem die Aussagen über Oskar Schindlers Privatleben, in dem er als unanständiger Lebemann beschrieben wurde, aber zur richtigen Zeit, die richtige Entscheidung getroffen habe und somit eine große Leistung erbracht hat. Eine wichtige Botschaft aus ihrem Vortrag ist also, dass wir nicht immer perfekt sein müssen, aber wir dürfen nie vergessen, Mensch zu sein. Alle Menschen sind gleich und das dürfen wir gerade in turbulenten Zeiten wie diesen nicht vergessen.
AG „Demokratie & Partizipation