Sonntag, 25. Oktober 2026

Mut und Menschlichkeit - Erika Rosenberg zu Gast am Schiller-Gymnasium Berlin

 18. Oktober 2026

Mut und Menschlichkeit – Erika Rosenberg zu Gast am Schiller-Gymnasium

Drei Tage lang war Erika Rosenberg bei uns am Schiller-Gymnasium zu Gast. Sie wurde 1951 in Buenos Aires als Tochter deutscher Juden geboren. Ihre Eltern, ein Jurist und eine Ärztin, mussten 1936 aus Deutschland fliehen und fanden über Paraguay Zuflucht in Argentinien. Die Flucht ihrer Eltern hat auch ihr eigenes Leben geprägt. Was Heimat für sie bedeutet, beantwortet Erika Rosenberg bis heute mit einem Sowohl-als-auch, nicht mit einem Entweder-oder.

1990 stieß sie bei Recherchen in Argentinien auf Emilie Schindler. Aus den ersten Gesprächen wurde eine tiefe Freundschaft, aus mehr als 70 Stunden Tonbandaufnahmen eine Biografie. Heute ist Erika Rosenberg Erbin und Nachlassverwalterin von Emilie Schindler. Die Geschichte von Oskar und Emilie Schindler wurde vielen durch Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ aus dem Jahr 1993 bekannt, der auf dem Roman von Thomas Keneally beruht. Der Film zeigt eindringlich die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden. Er erzählt aber auch eine Geschichte von Zivilcourage, von Menschen mit Mut und Entschlossenheit.

Als Historikerin und Autorin weiß Frau Rosenberg, dass Mut und Zivilcourage nie an Aktualität verlieren. Deshalb stehen alle ihre Workshops unter diesem Leitgedanken. Es geht um grundlegende Fragen: Was heißt es, Mensch zu sein? Was bedeutet Menschlichkeit? Und wie wichtig ist es, Zivilcourage zu zeigen? Zivilcourage ist im Leitbild des Schiller-Gymnasiums verankert.

Die Workshops hatten drei Teile. Zuerst erzählte Erika Rosenberg von ihrem Leben in Argentinien und vom Schicksal ihrer Familie. Danach berichtete sie vom Leben Emilie und Oskar Schindlers. Am Ende arbeiteten die Schülerinnen und Schüler selbst mit Originaldokumenten aus dem Nachlass der Schindlers. Sie gingen Fragen nach wie: War Oskar Schindler ein Held oder nicht? Welche Rolle spielte Emilie Schindler? Was berichten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen über diese Zeit? Zum Abschluss präsentierten sie ihre Ergebnisse. Authentischer kann die Auseinandersetzung mit Geschichte kaum sein.

Frau Rosenberg ist klein, aber keineswegs schmächtig. Sie strahlt Energie und Vitalität aus: fröhliche Augen, ein wacher Blick, zugewandt und herzlich. Damit beeindruckte sie die Großen wie die Kleinen. Ein Schüler fragte sie, wann sie ein Buch über ihr Leben schreibe. Überrascht antwortete sie: „Ich glaube, mein Leben ist nicht so wichtig.“ Die Schülerinnen und Schüler sahen das anders. Für sie ist ein so bewegtes Leben es wert, aufgeschrieben zu werden.

Sie hatten lange zugehört und anspruchsvolle Texte gelesen. Auf die Frage, ob sie das Format ändern solle, antworteten sie dennoch eindeutig: „Nein, Frau Rosenberg, es war wunderbar, so wie es war. Wir haben Ihnen gerne zugehört.“

Mit diesem Eindruck verabschiedete sich Frau Rosenberg, begleitet von ihrem Mann José und ihrer kleinen Hündin Daphne. Wir danken ihr herzlich und freuen uns darauf, sie im nächsten Jahr wieder bei uns begrüßen zu dürfen.

Unser besonderer Dank gilt der Konrad-Adenauer-Stiftung, die dieses Projekt finanziert und damit ermöglicht hat.

 

Drei Tage Geschichte zum Anfassen: Erika Rosenberg, Kind jüdischer Eltern, die aus Deutschland fliehen mussten und in Argentinien Zuflucht fanden, war bei uns zu Gast. Sie ist Biografin und Nachlassverwalterin von Emilie Schindler. In ihren Workshops arbeiteten unsere Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 8, 11 und 12 mit Originaldokumenten aus dem Nachlass der Schindlers und setzten sich mit Mut, Menschlichkeit und Zivilcourage auseinander.