Donnerstag, 7. Mai 2026

Stiftung Verbundenheit. Erika Rosenberg-Band

 


In der Reihe #verbunden_mit stellt die Stiftung Verbundenheit Menschen vor, die durch ihr Engagement Brücken schlagen zu deutschen Minderheiten und Sprachgemeinschaften. In dieser Ausgabe ist die Biografin, Journalistin, Dolmetscherin und Zeitzeugin Erika Rosenberg‑Band unser Interview-Gast. Durch ihr Wirken verbindet sie auf einzigartige Weise Erinnerungskultur und Verantwortung zwischen Argentinien und Deutschland – und leistet einen bedeutenden Beitrag zur Aufarbeitung des Holocaust. Erika Rosenberg‑Band wurde 1951 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Ihre Eltern waren deutsche Juden, ein Jurist und eine Ärztin, die 1936 aus Deutschland über Paraguay nach Argentinien flohen, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entkommen. In Buenos Aires wuchs sie in einer kulturell vielfältigen Umgebung auf und bildete sich in Sprachen, Literatur und Geschichte weiter.

1990 lernte sie durch ein Interview die damals hochbetagte Emilie Schindler kennen, die Witwe von Oskar Schindler. Oskar und Emilie Schindler retteten während des Holocaust über 1.200 jüdischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern das Leben. Mit dem 1993 erschienenen Film „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg wurde Oskar Schindlers mutiges Handeln im Nationalsozialismus weltweit bekannt. Rosenberg-Band führte intensive, stundenlange Gespräche mit Emilie Schindler und zeichnete sie per Tonband auf.  Daraus entstand die Biografie „In Schindlers Schatten“, die 1997 erschien. Rosenberg‑Band übernahm nach Emilie Schindlers Tod 2001 Aspekte des Nachlasses und setzte sich dafür ein, deren Stimme öffentlich zu machen.

Ihre berufliche Laufbahn führte Erika Rosenberg-Band unter anderem als Dozentin am Goethe‑Institut Buenos Aires, an der Katholischen Universität Buenos Aires und als Ausbilderin zukünftiger Diplomaten im argentinischen Außenministerium. Sie verfasste neben den Biografien zu Oskar und Emilie Schindler weitere Werke zu Persönlichkeiten wie Carl Lutz oder über Papst Franziskus aus Argentinien.

Sie befasst sich seit langer Zeit mit dem Thema „Einwanderung“ in Argentinien und Lateinamerika und verfasste ein Werk über das Leben und die Leistung eines deutschen Einwanderer im Jahre 1862. Wilhelm Lehmann aus Sigmaringendorf in Baden-Württemberg emigrierte nach Argentinien und gründete in der Provinz Santa Fe ein Kolonisierungsunternehmen. 16 Dörfer und Städte bedanken ihm ihre Existenz. Die Städte Rafaela und Esperanza erinnern und würdigen seine große Leistung.

Für ihr Engagement wurde sie 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet und 2016 mit dem Austrian Holocaust Memorial Award geehrt.

Die Stiftung Verbundenheit freut sich, eine Persönlichkeit mit einem solch beeindruckenden Lebenswerk als Interview-Gast willkommen zu heißen.

Verbunden mit    Erika Rosenberg-Band

Frau Rosenberg-Band, wir haben in Form eines Videos auf Emilie Schindler, die Ehefrau des bekannten Oskar Schindler, aufmerksam gemacht und die historische Persönlichkeit ein wenig näher dargestellt. Was hat aus Ihrer Sicht Emilie Schindler ausgemacht und wie hat sie auch beigetragen zum Werk ihres Ehemannes?

Wie bei allen Geschichten gibt es immer eine wahrhafte, dokumentierte und eine offizielle, entweder aus Hollywood, wie im Fallvon „Schindlers Liste“, oder Wikipedia oder KI stammende. Emilie Schindler war die Frau an Oskar Schindlers Seite seit Kriegsanfang. Sie unterstützte ihren Mann mit Wort und Tat. Die Überlebenden nannten sie „Der Engel von Krakau und Brünnlitz“. In den letzten mehr als 30 Jahren habe ich mit genau 22 Überlebenden von Schindlers Liste gesprochen. Bei jedem Interview wurde immer wieder die große Leistung der Ehefrau von Oskar, Emilie Schindler geb. Pelzl, betont.

Eigenständig rettete sie einen Transport mit 120 Juden im Januar 1945. Die Goleschauer, so nannte man sie, kamen aus einem Steinbruch in Polen und die SS suchte eine Fabrik, wo sie arbeiten sollten. Es waren schon die letzten Monate des Krieges und dieser Transport fuhr ca. drei Wochen herum. Keine Fabrik wollte sie aufnehmen. Die Schindler-Fabrik in Brünnlitz,Tschechien, war die letzte Station. Oskar war zu dem Zeitpunkt unterwegs. Emilie nahm die hungrigen und kranken Juden auf. Sie befanden sich im bedenklichen Zustand und mussten medizinisch behandelt werden, denn alle litten an Hungerödemen. Emilie organisierte ein Lazarett und betreute die 120 zusammen mit Krankenschwertern und Ärzten selbst. Ist das nicht eine heldenhafte, zivilcouragierte und menschliche Tat? Wie kann man es vergessen?

Was kann in der heute politisch und gesellschaftlich durchaus als angespannt und komplex zu nennenden Zeit von Emilie Schindler gelernt werden?

Absolut alles. Emilie, ihre Taten, ihre menschliche und tapfere Haltung ist mehr als inspirierend. Sie hat sich zivilcouragiert und mutig für leidende Menschen eingesetzt, ohne zu fragen, an was sie glaubten, welche Farbe hatte ihre Haut, welche Status die Familien. Sie hat Menschen einfach geholfen und sie gerettet. Es ist die Geschichte einer Frau mit vielen Werten, Werte verändern sich nicht, eingebettet in der Geschichte des 2. Weltkrieges. Komplex war es damals genug, denn, die Gefahren von den Nazis ertappt zu werden, lauerten in jedem Winkel. Ich fragte sie einmal, ob sie keine Angst hatte: Ihre Antwort war kurz und bündig… Angst ist immer ein schlechter Begleiter!

Wie kann die deutschsprachige Gemeinschaft in Lateinamerika etwas für die Aufarbeitung und die Erinnerung an den Holocaust beisteuern? Welche Aufgabe und auch Rolle kann die junge Generation dabei spielen?

Einfach niemals vergessen, dass es bei einem Krieg keine Gewinner gibt. Ganz im Gegenteil, alle sind Verlierer. Im 2. Weltkrieg sind ca. 60 Mio. Menschen umgekommen. Man spricht zuallernächst von Holocaust, Genozid, Völkermord. Hitler hat mit Juden angefangen, danach ging es mit Homosexuellen, Sozialisten, Kommunisten, Sinti und Behinderten weiter. Martin Niemöller zitierte: „Zuerst kamen sie für die Juden, und ich schaute schweigend zu; dann kamen sie für die Sozialisten, und ich schaute schweigend zu, dann kamen sie für mich, und da war niemand mehr, der protestieren konnte“. Die Thematik soll immer wieder durcharbeitet werden, sich damit auseinandersetzen und verstehen, dass alle Menschen gleich sind!  

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die jüdisch-deutsche Geschichte in Lateinamerika für die Erinnerungskultur beider Kontinente – und welche Aspekte werden dabei oft übersehen?

Meiner Meinung nach hat Lateinamerika ein anderes Konzept der Erinnerungskultur. Eine Sache ist das Fach Geschichte an Schulen zu unterrichten, auf fremden Boden unter anderen Perspektiven, plakativ. Mit einem Wort ist das nur ein Teil der Geschichte, von dem man dort nicht betroffen wurde, mindestens nicht direkt. Auch die jüdischen Einwanderer, die meisten sind schon tot, wollten selbst davon nicht mehr reden. Das Thema war die große Verdrängung. Meine Eltern haben niemals drüber gesprochen. Und die Verdrängung lässt vieles übersehen.

Sie leben zwischen Argentinien und Deutschland: Was bedeutet für Sie „Verbundenheit“ mit Deutschland?  

Wenn ich ehrlich sein sollte, würde ich sagen, ich fühle mich in der Art verbunden, weil meine Eltern aus dem Old Germany kamen. Ich bin selbst in Buenos Aires geboren, aber manchmal stellt sich die Frage, was verbindet „mich“ mit Argentinien? Ich bin als Mensch ein Teil des Universums und gehöre keinem Mikrokosmos. Vielleicht weil ich selbst zwischen den Welten immer pendle. Auf Spanisch sagt man: "No soy de aquí, ni soy de allá! Heimatlos? Oder Universalist?

Über Zivilcourage, Mut und Tapferkeit , Erika Rosenberg im Gespräch mit Schülern in der Helene-Lange Schule Heilbronn

 Was können wir heute daraus lernen, dass der Emaillewarenfabrikant Oskar Schindler im Zweiten Weltkrieg über 1200 Menschen vor dem Tod bewahrte? Die Historikerin Prof. Erika Rosenberg beleuchtete in ihrem Gespräch mit Zehntklässlern der Helene-Lange-Realschule nicht nur die geschichtlichen Ereignisse, auf denen Steven Spielbergs Hollywoodfilm beruht und die er teilweise sehr frei interpretiert, sondern vor allem, wie wichtig Werte wie Zivilcourage und Menschlichkeit sind. Erika Rosenberg gab einen Einblick in ihre neuen Forschungsergebnisse wie die Tatsache, dass die Schindlers nicht nur die Arbeiter der Fabrik, sondern auch Arbeitsunfähige retteten, indem sie ihr gesamtes Vermögen, auf heute umgerechnet 26 Mio Euro, für die Rettung aufbrachten. Besonders spannend ist die Rolle Emilie Schindlers, die im Film auf eine Nebenrolle reduziert wird, wogegen sie historisch eine tragende Rolle bei der Rettung der Menschen spielte. Es bleibt der Satz aus dem Talmud: „Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt".


Dienstag, 5. Mai 2026

Erika Rosenberg in Konstanz am 9.Juni.

 Am 9. Juni 2026: Erika Rosenberg-Band – Das Vermächtnis von Emilie und Oskar Schindler. Um 19:00 Uhr im Astoria-Saal Konstanz. Emilie und Oskar Schindler haben ihr Leben riskiert und ihr gesamtes Vermögen geopfert, um 1200 jüdische Menschen vor dem sicheren Tod in den Gaskammern der Nationalsozialisten zu retten. Zivilcouragiert handelten sie und kämpften mutig für Menschenrechte – in einer Zeit, in der es keine gab. Sie stellten in ihren Fabriken jüdische Kräfte an, um sie vor der Deportation und Vergasung zu retten.

Der Hollywood-Film „Schindlers Liste“ des amerikanischen Regisseurs Steven Spielberg basiert auf dem historischen Roman von Thomas Keneally aus dem Jahr 1982. Dieser Film von 1993 hat weltweit Wellen geschlagen, aber stellt er die historischen Fakten dar? Prof. Erika Rosenberg-Band lernte Emilie Schindler 1990 in Buenos Aires (Argentinien) zu einer Zeit kennen, in der Oskar Schindlers Witwe völlig unbekannt bzw. in Vergessenheit geraten war und in großer Armut lebte.

Nach langen Gesprächen mit der Historikerin und Autorin Erika Rosenberg-Band entstand ein autobiografisches Porträt jener couragierten Frau, die Jahrzehnte in der Dunkelheit des Vergessens in Südamerika lebte. Im Anschluss an den Vortrag von Erika Rosenberg-Band stellt die „Crescere Stiftung Bodensee“ das für Oskar und Emilie Schindler geplante Mahnmal vor.

Alle Informationen zu den Biografien, zum Ablauf und zum Rahmenprogramm mit weiteren Exkursionen finden sich unter www.stolpersteine-konstanz.de.

Helene Lange Schule Heilbronn

Montag, 27. April 2026

Edith Stein Gymnasium München

Historikerin und Autorin Erika Rosenberg zu Besuch am ESG

Warum gibt es noch immer Kriege und Hass, obwohl sich doch alle Menschen Frieden wünschen? Diese Frage stellt Erika Rosenberg in ihrem Vortrag am ESG sehr eindringlich. Sie ist Autorin, Historikerin, Tochter nach Südamerika emigrierter Juden und hat Emilie Schindler persönlich kennengelernt, sie interviewt und ihre Lebensgeschichte im Buch „Ich, Emilie Schindler“ festgehalten. Doch es geht ihr nicht nur um Geschichte – es geht um eine Botschaft: Zivilcourage ist keine außergewöhnliche Heldentat, sondern eine Entscheidung, die jeder Mensch treffen kann.

Zivilcourage bedeutet, nicht wegzusehen. Sie bedeutet, aufzustehen, wenn Unrecht geschieht, auch wenn es unbequem oder gefährlich wird. In der Zeit des Nationalsozialismus war Schweigen einfacher als Widerstand. Ausgrenzung, Enteignung und die Entrechtung jüdischer Menschen – etwa durch die Nürnberger Gesetze – geschahen Schritt für Schritt. Viele sahen zu. Emilie Schindler entschied sich anders.

Gemeinsam mit ihrem Mann Oskar Schindler rettete sie rund 1200 Jüdinnen und Juden vor dem Tod. Sie organisierte Lebensmittel, Medikamente und Schutz. Sie bestach Behörden, verhandelte um Genehmigungen und riskierte ihr eigenes Leben. Ein enormes Vermögen wurde für die Rettung eingesetzt. Oft wird ihr Anteil am Mut der sogenannten „Schindler-Liste“, bekannt durch den Film Schindlers Liste, unterschätzt. Doch ohne Emilie hätte es diese Rettung in dieser Form nicht gegeben. Nach dem Krieg emigrierten die Schindlers 1949 nach Argentinien. Statt Anerkennung erwarteten sie wirtschaftliche Not und Isolation. Trotz allem blieb ihre Haltung klar: weiter machen. Und vor allem: Nie wieder Krieg.

Gerade darin zeigt sich die wahre Bedeutung von Zivilcourage. Sie endet nicht mit einer historischen Tat. Sie ist eine Lebenshaltung. Sie bedeutet, jeden Menschen als gleich wertvoll zu sehen – unabhängig von Herkunft oder Staatsbürgerschaft. Auch heute stehen Gesellschaften vor der Frage, wie sie mit Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit umgehen. Zivilcourage beginnt nicht erst im Krieg. Sie beginnt im Alltag: wenn jemand beleidigt oder ausgeschlossen wird, wenn Hass verbreitet wird, wenn demokratische Werte angegriffen werden.

Erika Rosenberg richtet ihre Botschaft besonders an junge Menschen, sie fordert die Schülerinnen auf, sich Gedanken zu machen. Die Welt wird nicht automatisch besser – sie wird besser durch Menschen, die Verantwortung übernehmen. Emilie Schindler war keine mächtige Politikerin, sondern eine Frau, die sich entschied, menschlich zu handeln. Genau das macht ihr Beispiel so bedeutsam. Zivilcourage braucht keinen Titel, sondern Mut. Es ist ein Auftrag für die Gegenwart. Wenn wir wollen, dass Hass und Gewalt enden, dürfen wir nicht schweigen. Zivilcourage beginnt bei jedem Einzelnen – hier und heute.

Herzlichen Dank an Frau Rosenberg für diesen eindringlichen Vortrag und auch ein Dankeschön an Frau Dobias für die Organisation dieses Vortrages. 

 

Rosenberg 1
Rosenberg 5
Rosenberg 2 1
Rosenberg 6 1

Dienstag, 3. Februar 2026

Veranstaltungsprogramm 2026. Programa de eventos, conferencias, workshops, seminarios de perfeccionamiento docente. New program 2026

 ... Und schon Februar! Die Zeit vergeht unheimlich schnell. Tag, Nacht, Woche, Monat und wieder ist es ein Jahr vorbei.

Daher höchste Zeit, um  einige der Termine auf meinen Blog zu setzen. 

Wer an  Veranstaltungen, Workshops, Gruppenarbeiten, Lehrerfortbildungsseminaren Interesse hat, sich bitte bei mir melden:

erosenberg24@gmail.com

                                                       2 0 2 6

Januar

30.01.2026   Online Veranstaltung   

Februar

12.02.2026   Online Besprechung   Opus 45

Termine sind noch zu bestätigen!

März

Termine sind noch zu bestätigen!

April

22.04.26  Edith-Stein-Gymnasium, Preysingstraße 105, 81667 München

23.04.26  Salzburg 15.30 Uhr,  Veranstalter AKS Aktion kritischer Schüler/innen, Paris- London- Strasse 8 b, in der Nähe von Mirabell Platz

27.04.26  Schule an der Biethe, Dessau-Rösslau  Vortrag und Workshop

28.04.26  2.Teil  des Workshops mit Schüler/innen


Mai

04.05.26 KAS   Stuttgart

05.05.26 KAS  Stuttgart

09.05.26  Schindlers Ark Museum, Brünnlitz, Tschechische Republik  Ausstellungseröffnung "Emilie und Oskar Schindler"

10.05.26 Schindlers Ark Museum weitere Veranstaltungen. Präsentation meines neuen Werkes: The Schindlers

12.05.26  Workshop Gymnasium in Jena organisiert von der KAS  Erfurt

13.05.26   Vortrag Gymnasium in Jena


Juni

08.06 und 09.06.26 Abendveranstaltung und Vortrag an einer Schule in Konstanz

11.06 und 12.06.26   Fachakademie Nördlingen und Maria Stern Schule Nördlingen

18.06.26  Mark-Graf-Gymnasium Karlsruhe-Durlach

22.06.26  Gymnasium in Lappersdorf bei Regensburg (Fr. Tina Hebauer)10.30 Uhr ,Am Sportzentrum 2, 93138

23.06.26 Realschule Nürnberg (Luise Koch)

24.06.26   Städtisches Heinrich-Heyne-Gymnasium München  Workshop mit Schüler/innen Vormittags

24.06.26   Mittags Lehrerfortbildung siehe oben!


Juli

02.07.2026  Vernissage  Ausstellung  Point Alpha, Thüringer

13.07/ 17.07.26  Hamm  Konrad-Adenauer-Stiftung  Dortmund, NRW

22.07.2026  Walter-Eucken-Gymnasium, Freiburg Breisgau. Vortrag und Workshop organisiert von Frau Daniela Meebold und die KAS Südbaden- Leiter Herr Clemens Hümerlehner.


August

Termine noch zu bestätigen!

September

07.09.2026  Zweitägiger Workshop im Gymnasium Kaltensundheim

Termine noch zu bestätigen!

Oktober

07.10.26  Buchmesse Frankfurt am Main

12/16.10  Katholisches Bildungswerk Salzburg, Österreich Veranstaltungsreihe


November

02.11.26   / 03.11.26   Göppingen

06.11.26 /   07.11.26  Vacha

09.11/ 12.11.26   KAS   Oldenburg

8-10.11 Übernachtung in Osnabrück.

 

9.11 Bad Iburg Vorträge am Gymnasium

 

10.11 BBS am Schöllerberg Osnabrück zwei Vorträge

 

10-12.11 Übernachtung in Meppen

 

11.11 Marienhauschule in Meppen zwei Vorträge

11.11 Abendveranstaltung im Stadtmuseum in Meppen

 

12.11 zwei Vorträge BBS Meppen

12.11.26 Anreise in Brackel

13.11.26  Workshop im Gymnasium Brackel

13.11.26 Abendveranstaltung Brackel

15.11.26 Anreise Dortmund

16.11.26 / 18.11.26 Dreitägiger Workshop mit 200 Schüler/innen verschiedener Gymnasien in Dortmund

19.11/ 20.11.26 Zwei Veranstaltungen an Schulen in Dortmund

22.11. bis 24.11.2026 Vortrag und 2.tägiger Workshop Goethe Sekundarschule, Ilsenburg





Samstag, 31. Januar 2026

Pressebericht in der taz..Berlin

Die Biografin der Schindlers

Erika Rosenberg-Band lebte als Kind deutsch-jüdischer Eltern in Argentinien ohne ihre Familiengeschichte zu kennen. Bei den Nachforschungen dazu traf sie auf Emilie Schindler. Eine Verbindung, die vieles offenbarte

Ein voller Tisch, ein volles Leben: Erika Rosenberg-Band schreibt und reist und klärt über den Holocaust auf

Von Lisette Habig (Text) und Quirin Leppert (Fotos)

Die Eltern von Erika Rosenberg-Band flohen vor den Nazis nach Argentinien. Ihrer Tochter erzählten sie nichts. Aber Kinder wissen mehr.

Draußen: Aubing-Lochhausen-Langwied ist ein Stadtbezirk am westlichen Rand Münchens. Eine dorfähnliche Ruhe liegt in der Luft. Weit weg vom Trubel der Innenstadt stehen große Einfamilienhäuser umringt von Feldern, einer Kleingartenanlage, Sportplätzen und Wäldern.

Drinnen: Die Wohnung im ersten Stock beschreibt Erika Rosenberg-Band als „diminut“. Es ist eine Verkürzung von diminuto, dem spanischen Wort für „winzig“. Hier wohnt sie mit ihrem Mann José und der Hündin Daphne. Alles spielt sich im Wohn- und Schlafraum ab. Dort steht ein großes Bett vor einem Einbauregal voll mit Büchern. Es ist nur ein Bruchteil von Rosenberg-Bands Bibliothek; in Argentinien habe sie noch um die 6.000 weitere Bücher, erzählt sie. In einem Holzschrank mit Glasfront stehen Porzellanstücke und Krüge, die sie auf Flohmärkten gekauft hat: „Ein Sammelsurium an Dingen, die ich liebe.“ Und dann ist da noch der Schreibtisch. Der Ort, an dem sie Geschichte und Geschichten niederschreibt.

Kein Silberland: 1951 wurde Erika Rosenberg-Band in Buenos Aires geboren, „illegal“, wie sie sagt, ohne Geburtsurkunde. Sie ist die Tochter deutscher Juden, die 1936 vor den Nazis über Paraguay nach Argentinien flohen. Rosenberg-Band wuchs mit ihrer Schwester in Buenos Aires auf und besuchte eine argentinische Schule. Das Deutsch, das sie spricht, lernte sie zu Hause. Das Bild, das viele von Argentinien als „Silberland“ hatten, habe nicht der Wirklichkeit entsprochen, sagt sie. Argentinien hatte ihre Eltern nicht mit offenen Armen empfangen. Die Mutter, eine Ärztin, durfte nicht im deutschen Krankenhaus arbeiten, da sie Jüdin war. Der Vater, Jurist, arbeitete eine Zeit lang bei der britischen Zeitung The Standard, wurde dann gekündigt, weil er Deutscher war. Das Ehepaar kämpfte ständig um Arbeit und musste sich immer wieder neu anpassen.

Ford Falcon: Rosenberg-Band wuchs in einem Land auf, das von Militärdiktaturen geprägt war: Überwachung, Verhaftungen und Folter waren allgegenwärtig. Besonders die letzte Militärdiktatur Argentiniens von 1976 bis 1983 erlebte sie hautnah mit. Als 25-Jährige wurde sie eines Morgens vor der Schule, in der sie unterrichtete, entführt, in einem während der Diktatur bekannten und gefürchteten grünen Ford Falcon. „Wie die Gestapo“, dachte sie damals. Nach intensiver Befragung wurde Rosenberg-Band freigelassen, als die Beamten von der Flucht der Eltern erfuhren. Das ergab wenig Sinn, sagt sie, schließlich hätte die argentinische Regierung bis dahin doch eher „ein Herz für NS-Täter“ gezeigt. Aber Willkür sei ein Teil der Terrorstrategie dieser Diktatur gewesen.

Schweigen: Schon früh interessierte sich Rosenberg-Band für ihre Geschichte, stellte als Kind viele Fragen. Die Eltern verschwiegen, was in Deutschland passiert war. Das Paar sehnte sich danach, eines Tages nach Deutschland zurückkehren zu dürfen, und erzählte den Töchtern, dass Deutschland das Land der Philosophen und Musiker sei – „eine Romantik, ein verzerrtes Bild“. Rosenberg-Band ist ihren Eltern dankbar dafür, dass sie in ihrer Kindheit nicht wusste, was ihnen passiert war. So konnte sie „frei von diesen Gefühlen“ aufwachsen.

3 Ich bin ein taz-Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, was es

Reden: Ihre Neugier indes konnten die Eltern nicht stoppen: „Wenn man nicht weiß, woher man kommt, weiß man auch nicht, wohin man geht“, sagt sie. Sie fing an, zur Einwanderung nach Argentinien zu recherchieren. Rosenberg-Band wollte darüber ein Buch schreiben. Allerdings war es schwer, an historisches Material zu kommen, da während der Diktatur viele Menschen verschwanden und viele Dokumente vernichtet wurden. Aber nicht alle.

Die Begegnung: Bei ihren Forschungen stieß sie auf den Namen Emilie Schindler und lernte die Witwe des verstorbenen Oskar Schindler 1990 in Buenos Aires kennen. Sie verstand bald, dass viel mehr hinter der Geschichte der Schindlers steckte: Emilie Schindler, die in Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ kaum vorkommt, hatte genauso wie ihr Mann bei der Rettung von über 1.300 Jüdinnen und Juden mitgewirkt. Der Film sei ein „Fiasko“, sagt Rosenberg-Band. Kein schlechter Film, aber ein Spielfilm, „à la Hollywood“.

Verbundenheit: Rosenberg-Band wurde die Biografin des Ehepaars Schindler und die Nachlassverwalterin von Emilie Schindler. Die Frau, die sie kennenlernte, war bitterarm. Sie lebte in einer „Bruchbude“ in San Vicente etwa 60 Kilometer südlich von Buenos Aires. Als Rosenberg-Band die Witwe zum ersten Mal besuchte, fand sie in der Wohnung überall Milchschüsseln. „Jemand, der nichts hatte, teilte mit den Katzen der Nachbarschaft.“ Das beeindruckte sie. Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb. Was anfangs als ein einziges Interview gedacht war, entwickelte sich zu einer engen Freundschaft. Die damals 83-jährige Schindler war wie eine Großmutter, die Erika Rosenberg-Band nie hatte.

Drinnen: „Ein ­Sammelsurium an Dingen, die ich liebe“ – vom ­Flohmarkt, angesammelt über die Jahre

Der Kreis schließt sich: Als Rosenberg-Band später die Beerdigung von Emilie Schindler in Deutschland organisierte, stieß sie auf die Namen ihrer eigenen Vorfahren. Sie fand das Grab ihrer Großmutter und des Onkels in Berlin, besuchte die Gedenkstätte Sachsenhausen und fand Urkunden der Familie. Sie sagt, das Schicksal hätte sie dorthin geführt.

Verkörperung: Erika Rosenberg-Band ist vieles. Sie studierte Geschichte, Pädagogik und Literatur, arbeitete als Dolmetscherin, Übersetzerin, Journalistin, Autorin, Lehrerin und bildete Diplomaten aus. Heute hält sie Vorträge in Schulen und reist dafür viel herum. Als „Trägerin einer Geschichte“ bezeichnet sie sich, sie verkörpert sie. „Jemand muss das machen von der zweiten Generation, sonst bleibt niemand übrig. Was kann man aus Büchern lernen? Ein Buch hat keine Gefühle.“

Draußen: Am Rand von München, fernab vom Trubel der Großstadt, ist eines der drei Zuhause von Erika Rosenberg-Band

Den Blick erweitern: Jemand müsse kommen und die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen, sagt sie. Die Welt sei nicht nur in „Gut und Böse“ aufgeteilt. So zu verallgemeinern sei schädlich und gefährlich. „Oder es kommen Menschen, die sagen die Deutschen wären alles Nazis gewesen. Falsch!“. Rosenberg-Band will darüber berichten, wie Menschen, die selbst nicht mehr darüber berichten können, in einer schwierigen Zeit in der Vergangenheit für andere einstanden. Neben Oskar und Emilie Schindlers Biografie schrieb sie unter anderem ein Buch über Carl Lutz, den Schweizer Diplomaten, der über 60.000 Menschen vor dem Vernichtungslager bewahrte.

Rastlosigkeit: In ihrer Freizeit treibt Rosenberg-Band viel Sport. Sie schwimmt gerne, spielt Tennis, macht Gymnastik, joggt oder spielt mit den Enkelkindern. Trotzdem beschäftigt sie sich ständig mit neuen Projekten. Sie könne beides machen: Beim Putzen und Aufräumen sei sie in Gedanken mit etwas beschäftigt. Sie halte sich daran fest, dass sie Projekte hat, die ihr Leben füllen. Sie bezieht ihren Mann mit ein und plant immer schon das kommende Jahr: „Ich weiß nicht wie lange noch, aber jetzt bin ich hier und morgen weiß ich nicht.“

Heimat: So etwas hat sie nicht. Sie fühlt sich „sowohl hier als auch da und vor allem überall wohl“. Rosenberg-Band kam durch ihren ­ersten Verleger vor 24 Jahren nach München. Neben der Wohnung hier hat sie noch eine weitere in Buenos Aires und ein Haus am Meer namens „Unter den Linden“. Sie könne nicht das ganze Jahr über an einem Ort leben, sagt sie. Das habe mit ihrer Geschichte zu tun, sagt sie. Ihre Eltern dachten ihr ganzes Leben, sie könnten irgendwann einmal zurück nach Deutschland. Sie erinnert die Schü­le­r*in­nen bei ihren Vorträgen, dass sie froh und glücklich darüber sein sollten, dass sie ein Zuhause haben, dass sie Familie haben, eine gute Schule besuchen, Geborgenheit und Zugehörigkeit haben. „Das habe ich mein ganzes Leben ­vermisst. Wahrscheinlich vermisse ich das innerlich immer noch.“