Erika Rosenberg
Freitag, 19. Juni 2026
Eine Ehre die Schirmschaft zu übernehmen.
Ausstellung auf Point Alpha 2.7.26

Unter dem Titel „Fearless Women – Frauen.Stärke.Sichtbarkeit“ werden vom 2. Juli bis 15. September 2026 im US Camp der Gedenkstätte Point Alpha 15 Portraits furchtloser Frauen der Weltgeschichte des Künstlers Oliver Schäfer aus Essen präsentiert.
Einblicke in das Leben der portraitierten Frauen gibt es in Kurzbiografien, verfasst von der Kulturjournalistin Diana Ringelsiep. Zur Vernissage am Donnerstag, den 2. Juli, ab 18 Uhr sind alle interessierten Frauen und Männer ins US Camp der Gedenkstätte herzlich eingeladen.
Die Teilnehmer erwartet ein inspirierender Abend mit Impulsen, Vorträgen, Talks und Live-Musik mit Sängerin Andrea Rübsam. Im Anschluss wird zu einem Imbiss mit Möglichkeit zum Austausch und Netzwerken eingeladen.
Das Ausstellungsprojekt „Fearless Women“ wird von der Point Alpha Stiftung in länderübergreifender Kooperation mit der Frauen Union Wartburgkreis sowie der Frauen Union aus dem Landkreis Fulda organisiert.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Persönlichkeiten, die Verantwortung übernahmen, gesellschaftliche Veränderungen angestoßen haben und mit Haltung, Engagement und Zivilcourage oder ihrem besonderen Charisma Vorbild für andere sind.
Schirmherrin der Ausstellung ist die renommierte Journalistin und Biografin Prof. Erika Rosenberg-Band, die durch ihre Arbeiten über Oskar und Emilie Schindler internationale Bekanntheit erlangt hat.
Sie ist auch gleichzeitig Bildpatin des von Schäfer geschaffenen Portraits von Emilie Schindler. Die couragierte Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann hunderte Juden im Zweiten Weltkrieg vor dem Tod rettete, findet sich in der Ausstellung in bester Gesellschaft weiterer bekannter Frauennamen wie Anne Frank, Mona Lisa, Marlene Dietrich oder Jane Goodall.
Aber auch unbekannte Namen wie Malala Yousafzai oder Iris Apfel reihen sich mit ihren mutigen Lebensgeschichten ein. Jedes der insgesamt 15 Kunstwerke erzählt Geschichten von Stärke, Selbstbestimmung und dem Mut, neue Wege zu gehen.
Die Ausstellung möchte Frauen sichtbar machen, inspirieren und ermutigen, sich aktiv in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Ehrenamt einzubringen und eigene Wege furchtlos zu gehen.
Das Mut weitergegeben wird, erfahren die Teilnehmer im Vortrag von Coachin und Mentorin Ortrud Tornow aus Fulda. Ergänzt werden die Vorträge durch Gespräche mit dem Künstler Oliver Schäfer, der Einblicke in die Entstehung seiner Werke gibt.
Darüber hinaus soll der „Fearless Talk“ unter der Moderation von Sabine Räth dazu anregen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam mit dem Publikum persönliche Geschichten von Mut, Veränderung und Inspiration auszutauschen.
Mit der Ausstellung „Fearless Women – Frauen.Stärke.Sichtbarkeit“ sollen auf Point Alpha Geschichte, Kunst, die Überwindung von Grenzen und Motivation für Mut und gesellschaftlichen Dialog miteinander verbunden werden.
Die Kunstausstellung sind dann bis zum 15. September in der Fahrzeughalle der Gedenkstätte Point Alpha zu sehen. Der Eintritt zur Vernissage am 2. Juli 2026 ist frei. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen.
Donnerstag, 18. Juni 2026
Mittwoch, 17. Juni 2026
Samstag, 13. Juni 2026
Zivilcourage - Projekttag zu Emilie und Oskar Schindler, Text von Herrn Matthias Link, Fachakademie Nördlingen
Professorin Erika Rosenberg-Band ist die Biografin von Emilie und Oskar Schindler und hat
selbst ein bewegtes Leben. Ihre Eltern mussten als Juden während der Nazi-Diktatur nach
Südamerika fliehen, wo Erika Rosenberg-Band geboren wurde. Als die Historikerin und
Autorin an einem Buch über argentinische Immigranten arbeitete, stieß sie auf das Schicksal
des Fabrikanten Oskar Schindler und seiner Frau Emilie – als deren heldenhafte Rettung
von über 1200 Jüdinnen und Juden vor dem Holocaust noch ziemlich unbekannt waren und
bevor Steven Spielberg seinen Film „Schindlers Liste“ gedreht hatte. Nun durfte die
Fachakademie Erika Rosenberg-Band am 11. Juni erneut an der Schule begrüßen. Sie
führte mit der Klasse SEJ einen Projekttag und Workshop zum Thema Zivilcourage im
Dritten Reich durch.
Am Vormittag stellte sie das Leben von Oskar und Emilie Schindler vor. Der aus der Region
Mähren (heute der östliche Teil Tschechiens, seit 1938 zu Deutschland gehörend)
stammende Oskar Schindler betrieb im Dritten Reich in Krakau eine kriegswichtige Emaille-
Warenfabrik und er war Agent des deutschen Geheimdienstes (der „Abwehr“), weshalb er
innerhalb des Nationalsozialismus Einfluss hatte. Als das Arbeitslager Plaszow, in dem unter
dem brutalen und menschenverachtenden Kommandanten Amon Goeth äußerst
unmenschliche Zustände herrschten, geschlossen werden sollte, verlegte Oskar Schindler
seine Fabrik nach Brünnlitz (Tschechien) und er stellte eine Liste mit Personen zusammen,
die er für seine Fabrik als Arbeitskräfte aus dem Arbeitslager anforderte – und diese
Menschen damit vor dem Tod bewahrte. Auch Emilies Taten wurden hervorgehoben, die in
der Fabrik in der Verwaltung arbeitete und auf dem Schwarzmarkt Lebensmittel und
Medikamente für die Zwangsarbeiter besorgte. Insgesamt gaben die Schindlers privat
umgerechnet rund 26 Millionen Euro für die Judenrettung aus. Nach dem Krieg erfuhren sie
jedoch wenig Dankbarkeit.
Des Weiteren stellte Erika Rosenberg das Leben und Wirken von Carl Lutz vor, einem
Schweizer Diplomaten, der in Budapest 63000 Juden rettete. Im Glashaus, einem Schweizer
Botschaftsgebäude, überlebten so 4500 Menschen das Kriegsende. Außerdem hatte Carl
Lutz die Idee zu einem System von gefälschten Schutzbriefen und Kollektivpässen, mit dem
er vielen weiteren Juden das Leben rettete.
Und noch eine Biografie lernten die Studierenden kennen: Die von Hilde Albrecht. Sie war
eine frühere Bekannte von Oskar Schindler und eine der starken Frauen aus seinem Umfeld.
Bei der Verlegung von Oskar Schindlers Fabrik nach Brünnlitz wurde ein Zug mit 300 als
Arbeitskräften angeforderten Frauen ins KZ Auschwitz umgeleitet. Oskar Schindler wendete
sich an seine frühere Bekannte, die persönlich nach Auschwitz fuhr und den dortigen
Kommandanten Richard Baer dazu brachte, die 300 Frauen nach Brünnlitz zu schicken. Den
Frauen stand ihr Tod in den Gaskammern bereits kurz bevor. Wie Hilde Albrecht dies
gelungen war, ist bis heute nicht bekannt. Ihr späterer Neffe nahm im Jahr 2020 aus Mexiko
Kontakt mit Erika Rosenberg auf und so konnten sie Teile der Geschichte rekonstruieren.
Von Emilie Schindler, die Hilde Albrecht ebenfalls kannte, hatte sie zuvor bereits in
Argentinien einiges über Hilde Albrecht erfahren. Emilie Schindler vermutete, dass Hilde
Albrecht, die eine Schönheit war, wohl ihre weiblichen Reize dabei einsetzte.
In Workshops erarbeiteten die Studierenden am Nachmittag anhand von Kopien historischer
Dokumente noch ausführlicher die verschiedenen Biografien und Themen. Die Ergebnisse
stellten sie am Ende in kurzen Präsentationen vor. Eine Erkenntnis dabei: Zivilcourage ist der
Mut, im Alltag Verantwortung zu übernehmen und dafür einzustehen, dass anderen
Menschen Gerechtigkeit widerfährt – ohne dabei die eigene Sicherheit außer Acht zu lassen.
Das beginnt bereits im Alltag bei Mobbing in der Schule oder bei Hass-Kommentaren im
Internet. Die Schule dankt Erika Rosenberg für diesen besonderen Projekttag.


