Erika Rosenberg
Mittwoch, 17. Juni 2026
Samstag, 13. Juni 2026
Zivilcourage - Projekttag zu Emilie und Oskar Schindler, Text von Herrn Matthias Link, Fachakademie Nördlingen
Professorin Erika Rosenberg-Band ist die Biografin von Emilie und Oskar Schindler und hat
selbst ein bewegtes Leben. Ihre Eltern mussten als Juden während der Nazi-Diktatur nach
Südamerika fliehen, wo Erika Rosenberg-Band geboren wurde. Als die Historikerin und
Autorin an einem Buch über argentinische Immigranten arbeitete, stieß sie auf das Schicksal
des Fabrikanten Oskar Schindler und seiner Frau Emilie – als deren heldenhafte Rettung
von über 1200 Jüdinnen und Juden vor dem Holocaust noch ziemlich unbekannt waren und
bevor Steven Spielberg seinen Film „Schindlers Liste“ gedreht hatte. Nun durfte die
Fachakademie Erika Rosenberg-Band am 11. Juni erneut an der Schule begrüßen. Sie
führte mit der Klasse SEJ einen Projekttag und Workshop zum Thema Zivilcourage im
Dritten Reich durch.
Am Vormittag stellte sie das Leben von Oskar und Emilie Schindler vor. Der aus der Region
Mähren (heute der östliche Teil Tschechiens, seit 1938 zu Deutschland gehörend)
stammende Oskar Schindler betrieb im Dritten Reich in Krakau eine kriegswichtige Emaille-
Warenfabrik und er war Agent des deutschen Geheimdienstes (der „Abwehr“), weshalb er
innerhalb des Nationalsozialismus Einfluss hatte. Als das Arbeitslager Plaszow, in dem unter
dem brutalen und menschenverachtenden Kommandanten Amon Goeth äußerst
unmenschliche Zustände herrschten, geschlossen werden sollte, verlegte Oskar Schindler
seine Fabrik nach Brünnlitz (Tschechien) und er stellte eine Liste mit Personen zusammen,
die er für seine Fabrik als Arbeitskräfte aus dem Arbeitslager anforderte – und diese
Menschen damit vor dem Tod bewahrte. Auch Emilies Taten wurden hervorgehoben, die in
der Fabrik in der Verwaltung arbeitete und auf dem Schwarzmarkt Lebensmittel und
Medikamente für die Zwangsarbeiter besorgte. Insgesamt gaben die Schindlers privat
umgerechnet rund 26 Millionen Euro für die Judenrettung aus. Nach dem Krieg erfuhren sie
jedoch wenig Dankbarkeit.
Des Weiteren stellte Erika Rosenberg das Leben und Wirken von Carl Lutz vor, einem
Schweizer Diplomaten, der in Budapest 63000 Juden rettete. Im Glashaus, einem Schweizer
Botschaftsgebäude, überlebten so 4500 Menschen das Kriegsende. Außerdem hatte Carl
Lutz die Idee zu einem System von gefälschten Schutzbriefen und Kollektivpässen, mit dem
er vielen weiteren Juden das Leben rettete.
Und noch eine Biografie lernten die Studierenden kennen: Die von Hilde Albrecht. Sie war
eine frühere Bekannte von Oskar Schindler und eine der starken Frauen aus seinem Umfeld.
Bei der Verlegung von Oskar Schindlers Fabrik nach Brünnlitz wurde ein Zug mit 300 als
Arbeitskräften angeforderten Frauen ins KZ Auschwitz umgeleitet. Oskar Schindler wendete
sich an seine frühere Bekannte, die persönlich nach Auschwitz fuhr und den dortigen
Kommandanten Richard Baer dazu brachte, die 300 Frauen nach Brünnlitz zu schicken. Den
Frauen stand ihr Tod in den Gaskammern bereits kurz bevor. Wie Hilde Albrecht dies
gelungen war, ist bis heute nicht bekannt. Ihr späterer Neffe nahm im Jahr 2020 aus Mexiko
Kontakt mit Erika Rosenberg auf und so konnten sie Teile der Geschichte rekonstruieren.
Von Emilie Schindler, die Hilde Albrecht ebenfalls kannte, hatte sie zuvor bereits in
Argentinien einiges über Hilde Albrecht erfahren. Emilie Schindler vermutete, dass Hilde
Albrecht, die eine Schönheit war, wohl ihre weiblichen Reize dabei einsetzte.
In Workshops erarbeiteten die Studierenden am Nachmittag anhand von Kopien historischer
Dokumente noch ausführlicher die verschiedenen Biografien und Themen. Die Ergebnisse
stellten sie am Ende in kurzen Präsentationen vor. Eine Erkenntnis dabei: Zivilcourage ist der
Mut, im Alltag Verantwortung zu übernehmen und dafür einzustehen, dass anderen
Menschen Gerechtigkeit widerfährt – ohne dabei die eigene Sicherheit außer Acht zu lassen.
Das beginnt bereits im Alltag bei Mobbing in der Schule oder bei Hass-Kommentaren im
Internet. Die Schule dankt Erika Rosenberg für diesen besonderen Projekttag.
Freitag, 12. Juni 2026
Konstanz plant Gedenkstätte für Emilie und Oskar Schindler
Konstanz plant Gedenkstätte für Oskar und Emilie Schindler

Bei einem Vortrag an der Volkshochschule Konstanz am Dienstag, 9. Juni, erinnerte Erika Rosenberg-Band an die Schindlers. Die 74-Jährige lernte Emilie Schindler 1990 in Buenos Aires kennen und führte bis zu ihrem Tod eine innige Freundschaft mit ihr. Die Schriftstellerin, unter anderem von Biografien der Schindlers, kritisiert, dass Emilie Schindler oft im Schatten ihres Mannes stehe, obwohl sie maßgeblich an der Rettung der jüdischen Menschen beteiligt war.
Für Konstanz ist die Geschichte der zwei Fabrikbesitzer wegen eines heute kaum bekannten Kapitels bedeutend: Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchten Emilie und Oskar Schindler gemeinsam mit geretteten Menschen im Paradies die Grenze zur Schweiz zu überqueren, wurden dort jedoch zurückgewiesen. Genau diese Verbindung gab schließlich den Anstoß für die Idee einer Gedenkstätte.
Die erste Planung entstand laut Wolfgang Münst, Vorstandsvorsitzender der Crescere Stiftung Bodensee, gemeinsam mit Katrin Brüggemann von der Initiative Stolpersteine. Man wolle in diesen Zeiten an Persönlichkeiten wie das Ehepaar Schindler erinnern, die mutig Widerstand leisteten. Stephan Tögel, zweiter Vorstand der Stiftung, erklärte, die Gedenkstätte solle Menschen dazu anregen, mutig zu sein und sich gegen Geregtigkeit
Eine einfache Gedenktafel würde dafür nicht ausreichen, erklärte Tögel. Deshalb sei gemeinsam mit dem Künstler Hans Thomann die Idee einer Gedenkstätte entstanden. Im Mittelpunkt des Entwurfs stehen Emilie und Oskar Schindler sowie ein geöffneter Schlagbaum. Dieser solle gleichzeitig Grenze, Hoffnung und Freiheit symbolisieren. Der Titel „SCHLAG.BAUM“ verbinde bewusst den Grenzschlagbaum mit dem Symbol eines Baumes für Leben und Wachstum.

Wo genau die Gedenkstätte entstehen wird, sei noch offen. Diskutiert würden laut Stiftung unter anderem Standorte am Grenzbach, wie dem Döbele oder der Grenzbachstraße. Die Gedenkstätte einer „vergessenen Geschichte“, wie es Münst nennt, soll eben auch eine Botschaft für die Gegenwart senden. „Es ist wichtig, dass wir wieder lauter werden gegen Ungerechtigkeit“, erklärte Tögel. Der Realisierungszeitraum wird voraussichtlich 2028 sein.
Donnerstag, 11. Juni 2026
Mittwoch, 10. Juni 2026
Mehr über die Abendveranstaltung am 9.06.2026

Weltgeflüchtetentag 2026

Städtische Institutionen, hiesige Initiativen und Vereine haben zum „Weltgeflüchtetentag“ („Weltflüchtlingstag“) am 20. Juni ein vielfältiges und umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. An diesem Aktionstag soll auf die Situation, Stärke und Mut von Geflüchteten aufmerksam gemacht und Solidarität mit ihnen gezeigt werden.
Der Tag ist allen Menschen weltweit gewidmet, die sich auf der Flucht befinden. Der Weltgeflüchtetentag wurde von den Vereinten Nationen 2001 ins Leben gerufen. 50 Jahre nach der Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention auf einer UN-Sonderkonferenz, dem wichtigsten internationalen Übereinkommen zum Schutz von Geflüchteten. Als internationale Organisation für den Flüchtlingsschutz setzt sich der UNHCR – das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen – dafür ein, dass jeder Mensch das Recht hat, Asyl zu suchen, wenn er vor Gewalt, Verfolgung oder Krieg in seinem Heimatland fliehen musste.
Dem UNHCR-Jahresbericht zufolge befanden sich im April 2025 über 122 Millionen Menschen auf der Flucht, gut zwei Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Insgesamt hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht zwischen 2013 und 2025 verdreifacht. Die meisten Menschen flohen 2025 vor Kriegen und großen Konflikten. Mit Oberbürgermeister Uli Burchardt hat die Stadt Konstanz die Schirmherrschaft für diesen wichtigen Tag übernommen.
Veranstaltungen rund um den 20. Juni
Erika Rosenberg-Band: Das Vermächtnis von Emilie und Oskar Schindler
Emilie und Oskar Schindler haben ihr Leben riskiert und ihr gesamtes Vermögen geopfert, um 1200 jüdische Menschen vor dem sicheren Tod in den Gaskammern der Nationalsozialisten zu retten. Prof. Erika Rosenberg-Band lernte Emilie Schindler 1990 in Buenos Aires (Argentinien) zu einer Zeit kennen, in der diese völlig unbekannt bzw. in Vergessenheit geraten war und in großer Armut lebte.
Nach langen Gesprächen mit der Historikerin und Autorin trat Emilie Schindler zum ersten Mal in ihrem Leben aus dem Schatten Oskar Schindlers hervor und erzählte die Geschichte mit Fakten und Details. Im Anschluss an den Vortrag von Erika Rosenberg-Band stellt die Crescere Stiftung Bodensee das für Oskar und Emilie Schindler geplante Mahnmal vor.
Eine Veranstaltung der Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz und der Crescere Stiftung Bodensee. 9. Juni 26, 19 Uhr, Astoria-Saal, Katzgasse 7.
