Professorin Erika Rosenberg-Band ist die Biografin von Emilie und Oskar Schindler und hat
selbst ein bewegtes Leben. Ihre Eltern mussten als Juden während der Nazi-Diktatur nach
Südamerika fliehen, wo Erika Rosenberg-Band geboren wurde. Als die Historikerin und
Autorin an einem Buch über argentinische Immigranten arbeitete, stieß sie auf das Schicksal
des Fabrikanten Oskar Schindler und seiner Frau Emilie – als deren heldenhafte Rettung
von über 1200 Jüdinnen und Juden vor dem Holocaust noch ziemlich unbekannt waren und
bevor Steven Spielberg seinen Film „Schindlers Liste“ gedreht hatte. Nun durfte die
Fachakademie Erika Rosenberg-Band am 11. Juni erneut an der Schule begrüßen. Sie
führte mit der Klasse SEJ einen Projekttag und Workshop zum Thema Zivilcourage im
Dritten Reich durch.
Am Vormittag stellte sie das Leben von Oskar und Emilie Schindler vor. Der aus der Region
Mähren (heute der östliche Teil Tschechiens, seit 1938 zu Deutschland gehörend)
stammende Oskar Schindler betrieb im Dritten Reich in Krakau eine kriegswichtige Emaille-
Warenfabrik und er war Agent des deutschen Geheimdienstes (der „Abwehr“), weshalb er
innerhalb des Nationalsozialismus Einfluss hatte. Als das Arbeitslager Plaszow, in dem unter
dem brutalen und menschenverachtenden Kommandanten Amon Goeth äußerst
unmenschliche Zustände herrschten, geschlossen werden sollte, verlegte Oskar Schindler
seine Fabrik nach Brünnlitz (Tschechien) und er stellte eine Liste mit Personen zusammen,
die er für seine Fabrik als Arbeitskräfte aus dem Arbeitslager anforderte – und diese
Menschen damit vor dem Tod bewahrte. Auch Emilies Taten wurden hervorgehoben, die in
der Fabrik in der Verwaltung arbeitete und auf dem Schwarzmarkt Lebensmittel und
Medikamente für die Zwangsarbeiter besorgte. Insgesamt gaben die Schindlers privat
umgerechnet rund 26 Millionen Euro für die Judenrettung aus. Nach dem Krieg erfuhren sie
jedoch wenig Dankbarkeit.
Des Weiteren stellte Erika Rosenberg das Leben und Wirken von Carl Lutz vor, einem
Schweizer Diplomaten, der in Budapest 63000 Juden rettete. Im Glashaus, einem Schweizer
Botschaftsgebäude, überlebten so 4500 Menschen das Kriegsende. Außerdem hatte Carl
Lutz die Idee zu einem System von gefälschten Schutzbriefen und Kollektivpässen, mit dem
er vielen weiteren Juden das Leben rettete.
Und noch eine Biografie lernten die Studierenden kennen: Die von Hilde Albrecht. Sie war
eine frühere Bekannte von Oskar Schindler und eine der starken Frauen aus seinem Umfeld.
Bei der Verlegung von Oskar Schindlers Fabrik nach Brünnlitz wurde ein Zug mit 300 als
Arbeitskräften angeforderten Frauen ins KZ Auschwitz umgeleitet. Oskar Schindler wendete
sich an seine frühere Bekannte, die persönlich nach Auschwitz fuhr und den dortigen
Kommandanten Richard Baer dazu brachte, die 300 Frauen nach Brünnlitz zu schicken. Den
Frauen stand ihr Tod in den Gaskammern bereits kurz bevor. Wie Hilde Albrecht dies
gelungen war, ist bis heute nicht bekannt. Ihr späterer Neffe nahm im Jahr 2020 aus Mexiko
Kontakt mit Erika Rosenberg auf und so konnten sie Teile der Geschichte rekonstruieren.
Von Emilie Schindler, die Hilde Albrecht ebenfalls kannte, hatte sie zuvor bereits in
Argentinien einiges über Hilde Albrecht erfahren. Emilie Schindler vermutete, dass Hilde
Albrecht, die eine Schönheit war, wohl ihre weiblichen Reize dabei einsetzte.
In Workshops erarbeiteten die Studierenden am Nachmittag anhand von Kopien historischer
Dokumente noch ausführlicher die verschiedenen Biografien und Themen. Die Ergebnisse
stellten sie am Ende in kurzen Präsentationen vor. Eine Erkenntnis dabei: Zivilcourage ist der
Mut, im Alltag Verantwortung zu übernehmen und dafür einzustehen, dass anderen
Menschen Gerechtigkeit widerfährt – ohne dabei die eigene Sicherheit außer Acht zu lassen.
Das beginnt bereits im Alltag bei Mobbing in der Schule oder bei Hass-Kommentaren im
Internet. Die Schule dankt Erika Rosenberg für diesen besonderen Projekttag.



