Montag, 27. April 2026

Edith Stein Gymnasium München

Historikerin und Autorin Erika Rosenberg zu Besuch am ESG

Warum gibt es noch immer Kriege und Hass, obwohl sich doch alle Menschen Frieden wünschen? Diese Frage stellt Erika Rosenberg in ihrem Vortrag am ESG sehr eindringlich. Sie ist Autorin, Historikerin, Tochter nach Südamerika emigrierter Juden und hat Emilie Schindler persönlich kennengelernt, sie interviewt und ihre Lebensgeschichte im Buch „Ich, Emilie Schindler“ festgehalten. Doch es geht ihr nicht nur um Geschichte – es geht um eine Botschaft: Zivilcourage ist keine außergewöhnliche Heldentat, sondern eine Entscheidung, die jeder Mensch treffen kann.

Zivilcourage bedeutet, nicht wegzusehen. Sie bedeutet, aufzustehen, wenn Unrecht geschieht, auch wenn es unbequem oder gefährlich wird. In der Zeit des Nationalsozialismus war Schweigen einfacher als Widerstand. Ausgrenzung, Enteignung und die Entrechtung jüdischer Menschen – etwa durch die Nürnberger Gesetze – geschahen Schritt für Schritt. Viele sahen zu. Emilie Schindler entschied sich anders.

Gemeinsam mit ihrem Mann Oskar Schindler rettete sie rund 1200 Jüdinnen und Juden vor dem Tod. Sie organisierte Lebensmittel, Medikamente und Schutz. Sie bestach Behörden, verhandelte um Genehmigungen und riskierte ihr eigenes Leben. Ein enormes Vermögen wurde für die Rettung eingesetzt. Oft wird ihr Anteil am Mut der sogenannten „Schindler-Liste“, bekannt durch den Film Schindlers Liste, unterschätzt. Doch ohne Emilie hätte es diese Rettung in dieser Form nicht gegeben. Nach dem Krieg emigrierten die Schindlers 1949 nach Argentinien. Statt Anerkennung erwarteten sie wirtschaftliche Not und Isolation. Trotz allem blieb ihre Haltung klar: weiter machen. Und vor allem: Nie wieder Krieg.

Gerade darin zeigt sich die wahre Bedeutung von Zivilcourage. Sie endet nicht mit einer historischen Tat. Sie ist eine Lebenshaltung. Sie bedeutet, jeden Menschen als gleich wertvoll zu sehen – unabhängig von Herkunft oder Staatsbürgerschaft. Auch heute stehen Gesellschaften vor der Frage, wie sie mit Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit umgehen. Zivilcourage beginnt nicht erst im Krieg. Sie beginnt im Alltag: wenn jemand beleidigt oder ausgeschlossen wird, wenn Hass verbreitet wird, wenn demokratische Werte angegriffen werden.

Erika Rosenberg richtet ihre Botschaft besonders an junge Menschen, sie fordert die Schülerinnen auf, sich Gedanken zu machen. Die Welt wird nicht automatisch besser – sie wird besser durch Menschen, die Verantwortung übernehmen. Emilie Schindler war keine mächtige Politikerin, sondern eine Frau, die sich entschied, menschlich zu handeln. Genau das macht ihr Beispiel so bedeutsam. Zivilcourage braucht keinen Titel, sondern Mut. Es ist ein Auftrag für die Gegenwart. Wenn wir wollen, dass Hass und Gewalt enden, dürfen wir nicht schweigen. Zivilcourage beginnt bei jedem Einzelnen – hier und heute.

Herzlichen Dank an Frau Rosenberg für diesen eindringlichen Vortrag und auch ein Dankeschön an Frau Dobias für die Organisation dieses Vortrages. 

 

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