Als ich Emilie am 22.Juni 1990 in einer kleinen Ortschaft 60 km südlich von Buenos Aires kennengelernt habe, beeindruckte mich sehr, nicht nur ihre Geschichte. Eine Geschichte des ständigen Einsatzes für Unterdrückte, Menschen, die ihren Rechte entrissen wurden, durch ein diktatorisches System. Menschen, die ohne Emilies und Oskars humanitäre Unterstützung in Gaskammern ermordet worden wären.
Aber viel mehr beeindruckte mich auch ihre Armut, die Undankbarkeit der Länder, für die sie so viel geleistet hatte: Israel und die Bundesrepublik. Sie lebte völlig vergessen von der Geschichte. Heute füllen sich viele Munde mit ihrem Name. Manche Filmproduktionen drehten Verfilmungen, basiert auf meine Bücher, Recherchen und Biografien ohne meine Genehmigung und daher zeigen eine ganz andere Geschichte, mit "Zeugen", die Emilie niemals trafen. Nur der eine namens Leonardo Cosiforti, ihr früherer Gartner existiert in der Tat. Die anderen einfach "Füllung".
Ich könnte tausende Anekdoten geschehen in den letzten 36 Jahren. 11 Jahre habe ich Emilie begleitet, bis sie mich darum bat, ihr mit der Übersiedlung nach Deutschland/Europa zu helfen. Das hieß: alles organisieren. Und das habe ich schweres Herzens gemacht! Emilie wollte ihren Lebensabend in Europa verbringen. Sie hinterließ ein Testament, wo sie es explizit erklärt. Wo genau, sagt sie nicht. Sie wollte wahrscheinlich nach Tschechien, da wo sie geboren wurde, aber zu dem Zeitpunkt ging nicht.
Der Tod überraschte sie einige Monate nach ihrer Ankunft in Straußberg, Brandenburg. Aber Brandenburg wollte für sie ein "Armengrab" zur Verfügung stellen. Ich kämpfte mit den Behörden, damit sie , nach Anraten meines verstorbenen Verleger Dr. Fleissner nach Bayern, Waldkraiburg überliefert wurde. Der Verlegen kannte Frau Schindler nicht, er hatte nur die Bücher herausgebracht. Der Verlag half mir mit dem Ehrengrab. Ich war damit einverstanden, aber zahlen mussten wir, mein Ehemann und ich. Es war doch selbstverständlich. Warum Waldkraiburg? Die Stadt wurde nach 1945 von den sudetendeutschen Vertriebenen gegründet. Auf meine Frage: Wer von den Sudetendeutschen in Argentinien hat sich um Emilie zu ihren Lebzeiten gekümmert, antwortet keiner. Niemand kam von der Seite. Die einzigen waren ab und zu Mitglieder der jüdischen Organisation Bnai Vrit, die gratulierten ihr zum Geburtstag und unterstützten ein bisschen finanziell.
Ich kenne alle oder fast alle Hintergründe des Politikums um Emilie und Oskar. Für mich sowohl Oskar als auch Emilie waren MENSCHEN, die andere MENSCHEN retteten, auch wenn ihr Leben und Vermögen riskieren mussten.
Daher, wenn ich heute sehe, höre, lese von manchen, die sich mit fremden Federn schmücken wollen und pronunzieren langen und leeren Reden im Namen der "Zivilcourage der Schindlers", denke sofort an die schreckliche Heuchelei dieser Welt.
Liebe Emilie, ich weiß, da, wo du bist, siehst alles und weiß ich handle, wie du mir an jenem Sonntag bei dir noch in San Vicente: Liebes Kind, du sollst dich darum kümmern, dass meine Geschichte wahrhaftig erzählt wird...
Und das mache ich!