Freitag, 12. Juni 2026

Konstanz plant Gedenkstätte für Emilie und Oskar Schindler


Konstanz plant Gedenkstätte für Oskar und Emilie Schindler

Konstanz

Konstanz soll eine Gedenkstätte für Oskar Schindler und seine Frau Emilie bekommen

    Sie wollen an Emilie und Oskar Schindler erinnern und eine Gedenkstätte schaffen (von rechts): Katrin Brüggemann von der Initiative Stolpersteine Konstanz, Journalistin und Schriftstellerin Erika Rosenberg-Band und Stephan Tögel, zweiter Vorstand der Crescere Stiftung Bodensee.
    Sie wollen an Emilie und Oskar Schindler erinnern und eine Gedenkstätte schaffen (von rechts): Katrin Brüggemann von der Initiative Stolpersteine Konstanz, Journalistin und Schriftstellerin Erika Rosenberg-Band und Stephan Tögel, zweiter Vorstand der Crescere Stiftung Bodensee.Foto: Edith Schlagenhau
    Zwei Menschen, die während der NS-Zeit unter Einsatz ihres eigenen Lebens über 1200 Menschen retteten, verbindet eine heute fast vergessene Geschichte mit der Stadt am Bodensee. Sind diese Menschen echte Helden? Wer erinnert sich heute noch an sie? Genau darauf soll künftig eine Gedenkstätte in Konstanz aufmerksam machen und zwei Persönlichkeiten ehren, die für Mut und Zivilcourage stehen: Emilie und Oskar Schindler.

    Bei einem Vortrag an der Volkshochschule Konstanz am Dienstag, 9. Juni, erinnerte Erika Rosenberg-Band an die Schindlers. Die 74-Jährige lernte Emilie Schindler 1990 in Buenos Aires kennen und führte bis zu ihrem Tod eine innige Freundschaft mit ihr. Die Schriftstellerin, unter anderem von Biografien der Schindlers, kritisiert, dass Emilie Schindler oft im Schatten ihres Mannes stehe, obwohl sie maßgeblich an der Rettung der jüdischen Menschen beteiligt war.


    Für Konstanz ist die Geschichte der zwei Fabrikbesitzer wegen eines heute kaum bekannten Kapitels bedeutend: Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchten Emilie und Oskar Schindler gemeinsam mit geretteten Menschen im Paradies die Grenze zur Schweiz zu überqueren, wurden dort jedoch zurückgewiesen. Genau diese Verbindung gab schließlich den Anstoß für die Idee einer Gedenkstätte.

    Die erste Planung entstand laut Wolfgang Münst, Vorstandsvorsitzender der Crescere Stiftung Bodensee, gemeinsam mit Katrin Brüggemann von der Initiative Stolpersteine. Man wolle in diesen Zeiten an Persönlichkeiten wie das Ehepaar Schindler erinnern, die mutig Widerstand leisteten. Stephan Tögel, zweiter Vorstand der Stiftung, erklärte, die Gedenkstätte solle Menschen dazu anregen, mutig zu sein und sich gegen Geregtigkeit

    Eine einfache Gedenktafel würde dafür nicht ausreichen, erklärte Tögel. Deshalb sei gemeinsam mit dem Künstler Hans Thomann die Idee einer Gedenkstätte entstanden. Im Mittelpunkt des Entwurfs stehen Emilie und Oskar Schindler sowie ein geöffneter Schlagbaum. Dieser solle gleichzeitig Grenze, Hoffnung und Freiheit symbolisieren. Der Titel „SCHLAG.BAUM“ verbinde bewusst den Grenzschlagbaum mit dem Symbol eines Baumes für Leben und Wachstum.

    Der Entwurf der geplanten Gedenkstätte zeigt Emilie und Oskar Schindler mit einem geöffneten Schlagbaum. Das Kunstwerk soll an der Schweizer Grenze stehen und von beiden Seiten gut sichtbar sein.
    Der Entwurf der geplanten Gedenkstätte zeigt Emilie und Oskar Schindler mit einem geöffneten Schlagbaum. Das Kunstwerk soll an der Schweizer Grenze stehen und von beiden Seiten gut sichtbar sein.Foto: Edith Schlagenhauf

    Wo genau die Gedenkstätte entstehen wird, sei noch offen. Diskutiert würden laut Stiftung unter anderem Standorte am Grenzbach, wie dem Döbele oder der Grenzbachstraße. Die Gedenkstätte einer „vergessenen Geschichte“, wie es Münst nennt, soll eben auch eine Botschaft für die Gegenwart senden. „Es ist wichtig, dass wir wieder lauter werden gegen Ungerechtigkeit“, erklärte Tögel. Der Realisierungszeitraum wird voraussichtlich 2028 sein.