Mittwoch, 16. Juli 2014
Dienstag, 15. Juli 2014
Fußballweltmeisterschaft. It was just a game! Es war bloß ein Spiel. Football es solo un juego!
Der eine gewinnt, der andere verliert. So war es immer und so wird es immer sein. Obwohl ich mich für Fußball nicht so sehr interessiere, hat mich der Fieber und die Leidenschaft dafür diesmal gepackt. Man hat immer geteilte Gefühle. Alles ist schön und gut, wenn Deutschland gegen eine ausländische Mannschaft spielt. Dann weiß ich ganz genau, wer gewinnen soll, aber dass bei dem Finale Deutschland gegen Argentinien spielen musste, steckte mir ein ein Kloss im Hals. Mit großer Aufregung verfolgte ich die Spieler mit den weißen Trikots aber auch mit den blauen . . . und ich konnte mich wirklich nicht entscheiden. Meine Philosophie: die beste Mannschaft soll gewinnen. Und so war es die beste hat gewonnen: Deutschland. Die argentinische Mannschaft tat mir sehr leid, denn sie haben absolut alles in ihrer Macht getan und sie haben ihr Bestes herausgebracht. Aber es sollte nicht sein.
Das Finale von Sonntag ließ mich an ein Werk von Stefan Zweig zu denken, “Die Sternstunden der Menschheit”. Zweig schreibt: „Solche dramatisch geballten, solche schicksalsträchtigen Stunden, in denen eine zeitüberdauernde Entscheidung auf ein einziges Datum, eine einzige Stunde und oft nur eine Minute zusammengedrängt ist, sind selten im Leben eines Einzelnen und selten im Laufe der Geschichte. […] Ich habe sie so genannt, weil sie leuchtend und unwandelbar wie Sterne die Nacht der Vergänglichkeit überglänzen.“ In seiner Erzählung “Der Kampf um den Südpol” erzählt er von Robert Scotts tragisch gescheiterter Südpol-Expedition. Als Scott am 16. Januar 1912 den Pol erreicht, muss er feststellen, dass er nur Zweiter ist. Vor ihm war schon der Norweger Ronald Amundsen am Südpol. Zweig beschreibt den Mann als Sinnbild des zu spät Gekommenen und dessen tragischen Tod „in einer Menschheit, für die der erste alles ist und der zweite nichts“.
Aber Schluss mit Poesie. Es war tatsächlich ein spannendes Spiel und ich freue mich sehr, dass Deutschland es gewonnen hat. Mit großem Vergnügen habe ich auch die Bundeskanzlerin Merkel und den Präsidenten Gauck in der Tribüne gesehen. Ich vermisste aber die argentinische Präsidentin Kirchner, die nicht anwesend war, um ihre Nationalmannschaft mit ihrer Präsenz anzuspornen. Mir schien, die argentinischen Mannschaft sei ein bisschen verlassen gewesen, einerseits die Brasilianer, die als lateinamerikanisches Nachbarland gegen uns waren, zeigend damit eine große lokale Illoyalität, andererseits, weil sie als Gastland die Eintrittskarten für das Finale an Argentinier nicht mehr verkaufen wollte, damit es weniger Fans im Stadion gab. Aber das ganze ist vollkommen irrelevant. Hinter uns ein Monat mit Fußball, mit der Illusion das Finale zu gewinnen. In der Zeit vieles Wichtigeres wurde zugedeckt mit der Narkose der Leidenschaft der Massen: Fußball, Fußball, aber dahinter steckt immer noch die Stigma des Default, des Bankrotts, der sideral Auslandsschuld, der fast Hyperinflation, der steigenden Armut, Kriminalität und Unsicherheit, der Korruptionsaffäre des Vizepräsidenten Amado Boudau, gegen ihn wird ein Prozess geführt. Man wird mich fragen, wenn ich alles so sehe, warum wandere ich nicht aus? Warum sollte ich? Ich bin hier geboren und wenn alle Menschen, die so denken wie ich auswandern würden, das Land bliebe halb leer. Man soll hier bleiben und mit Patriotismus weiter hart kämpfen, um diese Gesellschaft zu verbessern.
Mit großer Bestürzung mussten wir mitansehen, dass eine Veranstaltung am Sonntag, die mit festlichem Sinn und großer Freude angefangen hat, endete mit Gewalt und Plünderungen aller Art. Kaputte Bushaltestellen, Straßen, Geschäfte, Autos, Ausplünderungen. Der Grund dafür war bestimmt nicht der zweite Platz von Argentinien. Die Randalierer haben es nicht aus Frust angestellt. Wie krank ist ein Teil unserer Gesellschaft und in absehbarer Zeit werden manche Individuen nicht geheilt werden können. Davor bange ich mich sehr.
Gestern sagte mir ein Student , es sei nur ein kleiner Teil der Gesellschaft, die so eskaliert hat, und die Medien haben alles noch schlimmer gemacht, als es war. Darauf antwortete ich, man dürfte die Sache nicht minimisieren, denn so fängt die Anarchie an.
Argentinien ist ein wunderschönes Land, reich an Bodenschätze, Rohstoffe, gute Menschen. Wir sind nicht alle so. Schließlich wurde ein Argentinier zum Papst gewählt. Der Papst von Ende der Welt, woher ich nun schreibe.
Aus dem Tagebuch einer Autorin, die sich für den Sieg Deutschlands auch gefreut hat.
Donnerstag, 10. Juli 2014
Ein wunderschöner Nachmittag mit meinen Stipendiaten vom Auswärtigen Amt bei Herrn Botschafter Graf von Waldersee in der Deutschen Botschaft Buenos Aires
Vor einigen Monaten besuchte uns im Ministerium der 2.Sekretär der Deutschen Botschaft Herr Tim Nover. Nach 90 minütiger interessanten Rede unterrichtete er die Stipendiaten über Energiewende, nachhaltige und erneubare Energie, bilaterale Abkommen zwischen Deutschland und Argentinien, gemeinsame Projekte auf dem Forschung - und Wissenschaftsbereich, kulturellen Austausch u.a. Er brachte auch viel Material und Infos mit, die unter den Anwesenden verteilt wurden.
Diesmal besuchten wir die Deutsche Botschaft, eingeladen von Herrn Botschafter Graf von Waldersee. Uns erwartete nicht nur ein hochinteressanter Austausch sondern ein Kaffeetisch mit köstlichen Häppchen und Apfelkuchen.
Herzlichen Dank, verehrte Herr Botschafter, lieber Tim Nover!!!
Aus dem Tagebuch einer Autorin, die auch als Dozentin ihre Existenz bestreitet.
In der Mitte Herr Botschafter Graf von Waldersee, hinter ihm rechts Tim Nover
9.Juli Tag der Unabhängigkeit von Spanien. Mittagessen beim Bischof Rubén
Ein Feiertag mitten der Woche ist immer unangebracht. Aber der Tag fing gut an und endete auch sehr gut mit dem Sieg der argentinischen Fußballmannschaft gegen Holland.
Bischof Rubén der Diözese Avellaneda-Lanús hat uns zum Mittagessen eingeladen. Anlass dafür war der Besuch von Mutter Hilde Daurer, Generalmutter der Franziskanerinnen von der Christlichen Liebe in Wien, Österreich. Mit Mutter Hilde und den Mitschwestern verbindet uns eine wunderbare Freundschaft seit vielen Jahren. Entweder besuchen wir sie in Wien oder sie kommt zum Generalkapitel nach Argentinien und Paraguay, wo die Franziskanerinnen Altersheime und Kinderheime betreuen.
Mutter Hilde wieder zu treffen war für uns eine große Freude. Wir haben uns lange ausgetauscht und das Hauptthema war selbstverständlich Papst Franziskus, mein Buch über ihn, Rom, wo der Orden auch ein Haus betreut unter anderen. Wenn man sich so lange nicht mehr gesehen hat, will alles auf Anhieb erzählen.
Bischof Rubén hat uns alle mit Leckereien empfangen, die wir zwischen Gespräch und Gespräch gekostet haben. Bei solchen Anlässen versucht man “Momente” verewigen, Gespräche, Themen werden in unserer Erinnerung tief geprägt und visuell. . . visuell knipst man Fotos. Lieber Bischof Ruben vielen Dank, du hast uns mit deiner Einladung sehr geehrt!
Aus dem Tagebuch einer jüdischen Autorin beim interreligiösen Dialog und innigster Freundschaft
Mit Generalmutter Hilde Daurer v.l.n.r Regionaloberin Schwester Veronica,
Sr. Henriette und Josecito Rosenberg
v.r.n.l Gastgeber Bischof Rubén Frassia v.r.n.l. Sr. Henriette, Sr. Veronica und Pater Juan
Mutter Hilde und ich
Mittwoch, 9. Juli 2014
Fußballweltmeisterschaft 2014 Deutschland gegen Brasilien
Nach dem umwerfenden Erfolg Deutschlands gegen Brasilien träumen die Deutschen nun mit einem Erfolg bei der Finale. Heute sind wir Argentinier dran. Es wird ein schwieriges Spiel gegen Holland sein. Die Holländer werden alles einsetzen um uns zu gewinnen. 1978 haben wir den Fußball-Thron besetzt und ausgerechnet war das Spiel gegen Holland entscheidend. Was uns heute erwartet, weiß nur der liebe Gott. In Argentinien sagt man, Gott sei Argentinier. Das weiß ich nicht, jedenfalls ist der Papst Franziskus Argentinier.
Die Deutsche Botschaft hat uns für die letzten zwei Spiele eingeladen in der Botschaft uns das Spiel anzusehen. Im Rahmen ausgezeichneter kulinarischen Spezialitäten wie Bratwurst, Kartoffelsalat, Bretzeln und Warsteiner, die Königin der Biere, leckere Kekse und einer tollen und feierlichen Atmosphäre vergingen die 90 Minuten.
Man trifft viele Bekannte, man redet viel vor dem Spiel, in der Pause und nach dem Spiel. Es war ein schöner Nachmittag. Im Innern dachte ich :arme Brasilianer, ihr Stolz liegt zu Boden, aber so ist immer beim Spiel, der eine gewinnt und der andere verliert. Ich interessiere mich nicht so sehr für Fußball, aber diesmal hat mich die Leidenschaft vollgepackt.
Aus dem Tagebuch einer Autorin, die auch beim Fußballweltmeisterschaft “voll, mit Herz und Seele” gewesen war
Vor dem Spiel José und Facu an der ersten Reihe Eine stolze Oma mit Enkelsohn Facundo
José beim Gespräch Die Flagge der Gewinner der Halbfinale
Montag, 30. Juni 2014
Autoren haben “auch” Geburtstag. Los autores también cumplen anios!
Mitten vieler Arbeit, Manuskriptabschluss eines neuen Werkes, riesiger politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise in Argentinien feierte ich Geburtstag. Autoren werden “auch” älter! Von Kronos bleibt niemand verschont, auch nicht Dr. Faust trotz seines Paktes mit dem Teufel.
Nach einer sehr bewegten Woche mit arbeitsmäßig viel ups and downs und Zeitdruck kam nun endlich der Samstag. Samstags gehören den Kindern und unseren Pudeln. Samstags wird bei uns übersetzt in Klub, Tennis, Schwimmen, Fußball, Faxen machen mit Facundo und Matthias. Das Wochenende hat etwas Verzaubertes an sich, leider das geht schnell vorbei.
Am letzten Samstag nach dem Klub feierten wir meinen Geburtstag zu Hause, wobei ich verraten soll, den Kuchen haben wir schon vor der Ankunft der restlichen Gäste “probiert”. Es war für die Kinder eine große Freude, denn normalerweise muss man immer bis zuletzt warten. Aber diesmal nicht. Wir saßen in der Küche und aßen ein Stück von der Schokoladentorte gefüllt mit Creme Karamell und Schokoüberguß. Was für ein Vergnügen konnte man an in den Augen der Kinder sehen! Unter dem Tisch, Daphne und Axel warteten ungeduldig auch an der Verköstigung teilzunehmen, auch wenn es um kleine Krümeln ging.
Geburtstag im Schoß der Familie ist eine wunderschöne Sache und ich wünsche mir schon so sehr, dass es im nächsten Jahr auch so wird!
Facundo und Matthias und die Schokotorte! v.l.n.r José, Facundo, Eric, Myriam und Matthias
Myriam und Matthias Graf Axel
Prinzessin Daphne
Freitag, 13. Juni 2014
Jesaja 58 Wir heilen unsere Wunden, wenn wir anderen helfen, ihre eigenen zu heilen. Curamos nuestras heridas cuando ayudamos a otros a curar las suyas.
Diesmal führte mich mein Weg zur Villa 1.11.14, wo Pater Gustavo Carrara missioniert, arbeitet und lebt. Es war ein sehr interessantes Gespräch mit vielen Informationen, Anekdoten und Zeugnisse über das Wirken von dem ehemaligen Erzbischof von Buenos Aires Kardinal Jorge Mario Bergoglio, heute Papst Franziskus. Das gesamte Werk von Don Bosco hilft und unterstützt 45.000 Einwohner der eine der meistbevölkerten Villas in Buenos Aires. Hervorzuheben ist die höchste Aufgabe, die sich alle diese Priester gesetzt haben. Ein Lob an Pater Gustavo und seine Mitarbeiter! Bei unserem Gespräch erwähnte Pater Gustavo ein Psalm : Jesaja 58 Wir heilen unsere Wunden indem wir anderen helfen, ihre eigenen zu heilen!